Kämpfer Kehl cool - Frings leidet auf Bank
05.07.2006, 00:10 Uhr
Sebastian Kehl (r) im Laufduell mit dem Italiener Simone Perrotta.
Dortmund (dpa) - Der gesperrte Torsten Frings zitterte auf der Ersatzbank mit, «Back up» Sebastian Kehl zeigte im wichtigsten Spiel seines Lebens keine Nerven - doch der Lohn blieb aus. Ausgerechnet in seinem Heimstadion durfte der 26 Jahre alte Dortmunder erstmals bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft von Beginn an ran - und überzeugte. Kehl präsentierte sich im Halbfinale gegen Italien als souveräner und zweikampfstarker Arbeiter. Immer wieder attackierte er erfolgreich den italienischen Spielmacher Totti und war in seinem 30. Länderspiel (3 Tore) ein guter Ersatz für den zuletzt überragenden Frings, aber verhindern konnte auch er die 0:2-Niederlage nach Verlängerung gegen Italien letztlich nicht. Als Kehl mit einem Lächeln aus dem Mannschaftsbus kletterte, ahnten die Zuschauer: Der bei dieser WM zwei Mal eingewechselte Defensivspezialist steht in der Startformation. Mehrere Minuten schritt er in der Mitte des Platzes entlang, lauschte der Musik aus seinen Kopfhörern und saugte 90 Minuten vor dem Anpfiff seines insgesamt fünften WM-Spiels die Atmosphäre auf.
«Die Mannschaft wird sich voll für Torsten reinhängen», versprach Teammanager Oliver Bierhoff, der vor der Partie tröstend seinen Arm um den enttäuschten Zwangszuschauer Frings legte. Und Kehl erfüllte diese Erwartung. Er hängte sich auf der Position des gesperrten Bremers rein, der neben seinem Freund Oliver Kahn auf der Auswechselbank hockte. Beim Aufwärmen suchte sein Ersatzmann die Nähe des neu ins Team gekommenen Tim Borowski, der anstelle von Bastian Schweinsteiger auf der linken Seite überzeugte. Wie vor jedem Spiel schlüpfte der abergläubische Kehl erst in den linken, dann in den rechten Schuh - und los ging es für den Mittelfeldakteur mit Vorbild Lothar Matthäus. Den Platz bei der Aufstellung zum Mannschaftsfoto fand er nicht gleich und huschte als Letzter ins Bild, aber auf dem Spielfeld war er vom Anpfiff an hellwach. Der abtastende Beginn beider Teams erleichterte es ihm, bei der WM ins Spiel zu kommen, danach machte er in der Defensive die Räume gut eng und leitete in der 34. Minute mit einem Pass auf Lukas Podolski die größte deutsche Chance vor der Pause durch Bernd Schneider ein. |