Auch in Hamburg fiebern die Fans mit der deutschen Nationalmannschaft.
Dortmund im Ausnahmezustand: Bereits drei Stunden vor dem Anpfiff des WM-Halbfinales zwischen Deutschland und Italien sind die Tore beim Fanfest auf dem Dortmunder Friedensplatz geschlossen worden.
Gut 15 000 Fans meist mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und Hüten drängelten sich vor der Großleinwand. «Wenn der Friedensplatz zu ist, zieht die Fan-Karawane zu uns», sagte der Sprecher der Westfalenhallen, Andreas Weber. Vor den Großbildleinwänden dort sei am frühen Abend noch Platz für 30 000 Fans gewesen. Insgesamt werden bis zu 200 000 Fans in der Westfalenstadt erwartet.
Die Dortmunder Innenstadt war schon am Nachmittag in Halbfinal-Stimmung. «Über Italien fahren wir nach Berlin» schallt es lautstark aus Kindermund immer wieder durch die Fußgängerzone von Dortmund. Die 9 und 10 Jahre alten Jungen Fabian, Niclas, Ufuk und noch mal Fabian aus Krefeld recken die Arme in Höhe - schon Stunden vor dem Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien sind sie ganz aufgeregt. Karten haben sie keine, doch feiern wollen auch sie - mit ihren Eltern auf dem Friedensplatz.
Dortmund im Fußballrausch: Fünf WM-Spiele hat die Stadt schon gestemmt, darunter das wegen Problemfans brisante Spiel Deutschland gegen Polen. Platzte die Innenstadt dabei mit über 100 000 Besuchern schon aus allen Nähten, wurde am Halbfinalabend ein neuer Rekord erwartet. Bis zu 200 000 Fans könnten es diesmal werden, sagte der WM-Beauftragte Gerd Kolbe im Vorfeld.
Viele davon hatten schon lange vor dem Spiel ihren Spaß. Etwa die hartgesottenen Deutschland-Anhänger Timo, Daniel und Jan aus der Nachbarstadt Hamm: Sie hatten sich schon um 13.00 Uhr auf dem Friedensplatz die besten Plätze für den Abend gesichert. Acht Stunden vor dem Anpfiff spielten sie in sengender Sonne Karten, um sich die Zeit zu vertreiben. «Wir haben genug Geld für Getränke dabei», sagt Timo. Die Stimmung sei so toll. Es sei schon das vierte Deutschland-Spiel, das die drei auf dem Platz sehen.
Andere hatten sehr weite Wege hinter sich: Etwa der italienische Schlachtenbummler Rovito, der seit ein paar Jahren in New York lebt. Es ist schon die fünfte Fußball-WM des 57-Jährigen hintereinander. Elf Spiele hat er in Deutschland schon gesehen. Bloß für das Spiel gegen Gastgeber Deutschland hatte er noch keine Karte. «Sehr schön» findet er die ganze WM. «Ich freue mich sehr für das deutsche Volk.» Auch Dario aus Livorno bei Pisa spricht von einem «schönen Fest» und lobt die «gute Organisation». Für zehn Tage will der 17-Jährige mit seinen Freunden nach dem Spiel durch Deutschland reisen.
Superstimmung auch bei Conor (23) und Barry (24) aus Irland. «Wegen der guten Atmosphäre» sind sie nach Dortmund gekommen - und um Deutschland als möglichen Gegner bei der Europameisterschaft 2008 unter die Lupe zu nehmen, erzählen sie mit einem Lachen. Zwei Tage bleiben sie, dann geht es weiter nach Köln. Auch eine Gruppe von fünf Taiwanesen ist in der Stadt unterwegs - vor einem Souvenir-Stand überlegen sie, ob sie das WM-Maskottchen oder doch lieber einen Anstecker kaufen sollen. Die fünf hat allerdings nicht der Fußball auf dem Rasen nach Dortmund gelockt, sondern die Roboterfußball-WM, die am 3. Juli zu Ende gegangen war.
Szenen in einer fröhlichen Stadt: Ein Italiener klebt einer Bielefelderin eine Italienflagge auf den Arm. «Wir feiern zusammen, egal, wer gewinnt», sagt sie. An einem Fanartikelstand fragt eine Frau: «Haben Sie auch was für an die Ohren?» «Nein, Ohrringe haben wir nicht», antwortet der ausländische Verkäufer. Ein 70-jähriger Dortmunder sucht an dem gleichen Stand ein Schlüsselband mit der Korea-Flagge. Warum Korea? «Warum nicht? Die haben ganz gut gespielt.»