Harter Kerl: Frings liebt Harley und Tattoos
Dortmund (dpa) - 04.07.2006, 12:32 Uhr
Torsten Frings (r) und Argentiniens Juan Roman Riquelme im Duell.
Die Sperre von Torsten Frings traf Jürgen Klinsmann zum ungünstigsten Zeitpunkt. Ausgerechnet im WM-Klassiker gegen Italien musste der Bundestrainer auf seinen bissigsten Zweikämpfer verzichten, für den er einen weiteren Spezialauftrag vorgesehen hatte. Nach der überragenden Leistung gegen Argentiniens Spielmacher Juan Román Riquelme, den er «auf grandiose Weise ausgeschaltet» hatte, wie Klinsmann schwärmte, sollte Frings in Dortmund eigentlich Italiens Regisseur Francesco Totti die Lust am Spiel verderben. Der Auftrag platzte jedoch schonkurz nach der Landung der deutschen Nationalmannschaft auf dem Dortmunder Flughafen mit dem Urteil der Disziplinarkommission des Fußball-Weltverbandes (FIFA). Vielleicht war es einfach nur eine Retourkutsche der FIFA-Oberen für den Balldieb Frings. Der deutsche Nationalspieler hatte nach dem WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica in München schließlich rotzfrech den Spielball als Andenken aus dem Stadion geschmuggelt, was streng verboten ist, aber andere Akteure prompt zur Nachahmung animierte. Vor dem Halbfinale belegte die Disziplinarkommission den langhaarigen Provokateur und zugleich Klinsmanns wichtigen Zweikämpfer auf Grund von TV-Bildern wegen einer Tätlichkeit an dem Argentinier Julio Cruz für den Halbfinal-Hit gegen Italien.
Das Urteil löste bei den «Klinsmännern» Empörung und Unverständnis aus. Denn Frings sah sich bei den Handgreiflichkeiten mit Cruz nicht als Täter, sondern vielmehr als schuldloses Opfer. «Erfreut war er natürlich nicht», sagte Team-Manager Oliver Bierhoff in bewusster Untertreibung über die Reaktion des gesperrten Bremers, «aber die gesamte Mannschaft war überrascht, weil eigentlich die Argentinier provoziert hatten.» Diesen Umstand hob auch der verärgerte Klinsmann besonders hervor. Die Tumulte nach dem Elfmeterschießen seien «allein von den Argentiniern ausgegangen, wir waren nur die Reagierenden». Der Ausfall von Frings im Halbfinale stellte den Bundestrainer vor ein ähnliches Problem wie seinen Vorgänger Rudi Völler 2002 in Asien. Damals musste Michael Ballack wegen einer Gelb-Sperre im Finale gegen Brasilien (0:2) zuschauen. Frings präsentiert sich bei seiner zweiten WM-Teilnahme in bestechender Form. Er hat die Zweifel an seiner internationalen Klasse auf der extrem wichtigen Sechser-Position in beeindruckender Weise ausgeräumt. «Ein sehr, sehr starkes Spiel», bescheinigte ihm selbst Kapitän Ballack nach dem Argentinien-Match, in dem Frings über 120 Minuten der beste deutsche Spieler war. Das 57. Länderspiel war wohl sein bestes überhaupt. |