«Nach Berlin, nach Berlin!» - Franzosen begeistert
Paris (dpa) - 04.07.2006, 10:44 Uhr
Die Franzosen feiern auf der Champs-Elysées den Sieg gegen Brasilien.
«Zizou ist wieder da! Jetzt geht's los!» Nach dem Viertelfinal-Sieg gegen Brasilien haben die Franzosen ihre schon verschüttet geglaubte Begeisterung für die Equipe Tricolore endgültig wiederentdeckt. «Nach Berlin, nach Berlin!», skandieren die Fans. Vor allem der alte Recke Zinedine Zidane bezaubert wieder die Massen - und Franck Ribéry, der junge «kleine Weiße» in der Mannschaft. Viele holen wieder die Tricolore aus der Schublade. «Ein Frankreich ganz in Blau», titelt der «Parisien» etwas farbenblind. Den Sponsoren fällt ein Stein vom Herzen. Als hätten die Franzosen schon die WM gewonnen, ließen 500 000 Fans am Wochenende nach der Demütigung des enttäuschenden Weltmeisters auf den Champs-Elysées den Champagner fließen. In den Vorstädten entluden die Kids ihre Anspannung in einem Feuerwerk ganz anderer Art: Hunderte Autos gingen in Flammen auf. Doch in dem allgemeinen Trubel gehen diese Rauchsignale der sich ausgeschlossen fühlenden Jugendlichen unter. Schließlich stehen auch die Vorstädter hinter der Mannschaft. «Wir sind stolz, Franzosen zu sein», ruft Abellatif aus Saint-Denis und reckt seinen dreijährigen Sohn hoch - wie er selbst im Nationaltrikot.
«Die Jugendlichen aller Hautfarben schwenken gemeinsam die Tricolore. Diese WM schafft mehr als 30 Jahre Politik!», jubelt Atanase Perifan, ein Förderer des Nachbarschafts-Kickens. Selbst im berüchtigten Pariser Hochsicherheits-Gefängnis La Santé ist die Stimmung entspannt und fröhlich geworden. «Schade, dass es nicht jedes Jahr eine WM gibt», sagt der Aufseher Rémy Bultor. Zu Beginn des Turniers waren die französischen Fans noch hart am Rande der Depression gewesen. Wenn im Bistrot beim Croissant das Gespräch auf die WM kam, dann nur leise und mit defätistischem Unterton. «Das gibt ein Debakel wie vor vier Jahren», hieß es. Bei der WM in Japan/Südkorea waren die stolzen Weltmeister von 1998 tor- und trostlos schon nach der Vorrunde nach Hause geschickt worden. |