Berlin (dpa) - 04.07.2006, 10:02 Uhr
Trittbrettfahrer sind bei der Fußball-WM in Deutschland sogar in die Luft gegangen. Beim Eröffnungsspiel am 9. Juni in München versuchte ein Flugzeug mit dem Werbebanner einer australischen Airline über das WM-Stadion zu gelangen, wurde aber abgedrängt.
«Dies geht weit über das Thema Kavaliersdelikt hinaus. Eine Fluggesellschaft sollte schon wissen, was eine Verbotszone ist», sagte Gregor Lentze, Geschäftsführer des Marketingbüros des Fußball-Weltverbandes FIFA in Deutschland, zu diesem besonders krassen Fall von so genanntem Ambush-Marketing.
Insgesamt hat es bei der WM rund ein Dutzend größere Versuche von Firmen und Unternehmen gegeben, auf verbotene Weise Werbung zu betreiben. So mussten etwa 1000 Fans ihre orangefarbenen Lederhosen aus Plastik wieder herunterlassen, mit denen sie von einer niederländischen Brauerei ausgerüstet wurden. Zudem wurden etwa 5000 Hüte und Mützen mit nicht genehmigten Sponsoren-Aufschriften an den Stadioneingängen konfisziert.
«Es gab an den zwölf Spielorten noch andere kleine Sachen, aber insgesamt weniger als erwartet», berichtete Lentze über die Trittbrettfahrer-Aktivitäten. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea wurden rund 3,1 Millionen Produkte beschlagnahmt und knapp 1900 Fälle von Rechtsverletzungen gegen den FIFA-Markenschutz aufgedeckt, gegen die zu 90 Prozent mit Erfolg geklagt wurde. Für den Schutz der Exklusivrechte ihrer Sponsoren bei der WM 2002 musste die FIFA 14 Millionen Schweizer Franken aufwenden. In den vergangenen vier Jahren gab es im Zusammenhang mit der WM 2006 laut FIFA rund 1700 Fälle in 80 Ländern, die von einer Task Force des Weltverbandes aufgedeckt wurden.
Dass der Bundesgerichtshof Ende April in einem Urteil den Markenschutz für den Begriff «Fußball WM 2006» komplett ablehnte, hat die FIFA getroffen, ihr aber nicht geschadet. «Unsere Partner haben sich fair verhalten, Rückforderungen gab es nicht», sagte FIFA- Präsident Joseph Blatter. Die 15 offiziellen FIFA-Partner haben jeweils rund 40 Millionen Euro und die sechs nationalen Förderer je 13 Millionen bezahlt, um mit der WM und den Logos werben zu können. Insgesamt wurde aus Marketing-Aktivitäten etwa 700 Millionen Euro eingenommen.