Frings droht FIFA-Sperre gegen Italien
Berlin (dpa) - 02.07.2006, 23:14 Uhr
Torsten Frings (l) gerät im Viertelfinale mit Roberto Ayala aneinander.
Nach den Tumulten im Viertelfinal-Krimi gegen Argentinien muss der deutsche Fußball-Nationalspieler Torsten Frings um seinen Einsatz im WM-Halbfinale gegen Italien bangen. Überraschend hat der Fußball-Weltverband FIFA ein Disziplinarverfahren gegen den 29 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler wegen einer möglichen Verfehlung bei den Tumulten nach dem Viertelfinalspiel eröffnet. «Nach Ansicht neuer Fernsehbilder hat die Disziplinarkommission der FIFA festgestellt, dass Frings mit großer Wahrscheinlichkeit aktiv involviert war», sagte FIFA-Mediendirektor Markus Siegler in Berlin. Eine Entscheidung soll binnen 24 Stunden, am Tag vor dem Halbfinale Deutschland gegen Italien in Dortmund, getroffen werden.
Unterdessen hat Frings die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. «Ich habe nichts gemacht», sagte der 29-Jährige der «Kreiszeitung Syke». «Ich habe mich in einem Pulk befunden, in dem alle wild um sich geschlagen haben. Ich habe selber zwei Schläge abbekommen. Da habe ich zu meinem Schutz die Hände nach vorne gestreckt, mehr war nicht.» «Ich kenne die Details noch nicht. Man muss die Entwicklung abwarten», erklärte Theo Zwanziger, Geschäftsführender Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der dpa. DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt soll die Interessen des deutschen Verbandes wahrnehmen. Gegen die argentinischen Nationalspieler Leandro Cufre und Maxi Rodriguez hatte die FIFA schon Verfahren eingeleitet. |
Nach TV-Bildern des italienischen Senders «Sky Italia» soll Frings eine Tätlichkeit gegen den argentinischen Spieler Julio Cruz begangen haben. Die FIFA informierte den DFB um 19.23 Uhr und forderte ihn auf, Stellung zum Frings-Fall zu nehmen. Der Bremer Bundesligaspieler war gegen Argentinien einer der besten Akteure auf dem Platz. «Ich hoffe, es bleibt sportlich», sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer in der ARD zu der neuen Entwicklung. Die FIFA hatte zuvor noch mitgeteilt, dass es für die deutschen Nationalspieler kein Nachspiel nach den unschönen Szenen im Berliner Stadion geben soll. Allerdings sollte ermittelt werden, ob sich eventuell Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff durch sein Eingreifen etwas zu Schulden kommen lassen habe und noch sanktioniert werden könne. Mittlerweile scheint zumindest dieses Thema vom grünen Tisch zu sein. «Uns liegt ein Schreiben von der FIFA vor, dass es keine Strafe gegen Manager Bierhoff geben wird», erklärte Harald Stenger, Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). FIFA- Präsident Joseph Blatter nahm Bierhoff in Schutz: «Er wollte die Spieler trennen. Dafür sollte er einen Fair-Play-Preis erhalten.» «Ich wollte schlichten und danach hatten sie es auf mich abgesehen», schilderte der frühere Kapitän seine Rolle in den Tumulten, die mit einem Kung-Fu-Tritt in den Unterleib von Per Mertesacker begonnen hatten. Mertesacker zog sich Stollenabdrücke sowie eine Wunde am Oberschenkel zu, Treter Cufre bekam dafür die Rote Karte. Er muss ebenso mit Sanktionen rechnen wie Rodriguez. «Er hat den deutschen Spieler Bastian Schweinsteiger attackiert», erklärte Siegler. «Das ganze Spiel war schon gespickt von Provokationen», meinte Bierhoff. Beim Elfmeterschießen hatte sich dann die Situation zugespitzt: Der Großteil der 72 000 Zuschauer pfiff die argentinischen Schützen gnadenlos aus, die Südamerikaner wiederum versuchten, die deutschen Akteure mit Schimpfworten zu verunsichern. Der gesamte Frust des gescheiterten Turnier-Favoriten über das Ausscheiden, die unerklärlichen Wechsel von Trainer José Pekerman und die eigenen schwachen Elfmeter entlud sich mitten im Freudentaumel der Deutschen in Cufres Attacke gegen Mertesacker. Ein Fehltritt, denn vermutlich sollte der ähnlich große und blonde Borowski Ziel des Angriffs sein. «Es war unfair, was er getan hat. Aber er ist dafür bestraft worden. Und damit ist die Sache für mich auch erledigt. Wohin er mich getreten hat, spielt dabei keine Rolle mehr», sagte Mertesacker. Der Sünder wollte sich heimlich davonstehlen, aber der gute Referee Lubos Michel erwischte ihn noch auf der Ersatzbank.
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