Kein FIFA-Verfahren gegen deutsche Spieler
Berlin (dpa) - 02.07.2006, 14:01 Uhr
Oliver Bierhoff (r) gerät beim Versuch zu schlichten selbst in den Tumult.
Nach den Tumulten im Viertelfinal-Krimi gegen Argentinien müssen die deutschen Fußball-Nationalspieler keine Strafen befürchten und können sich ohne Sorgen auf den Klassiker gegen Italien vorbereiten. Dagegen drohen Oliver Bierhoff oder anderen DFB-Offiziellen möglicherweise spätere Sanktionen - wenngleich es noch kein Verfahren gegen den Nationalmannschafts-Manager gibt. «Es wird eine Betrachtung des Verhaltens deutscher Offizieller geben», erklärte FIFA-Mediendirektor Markus Siegler in Berlin. Bierhoff war beim Handgemenge nach dem Sieg gegen Argentinien im Berliner Olympiastadion mittendrin. «Wir sind noch nicht da, wo ein Verfahren beginnt, sondern wir sind bei der Betrachtung der unangenehmen Vorkommnisse», konkretisierte Siegler. Nach eigenen Angaben bekam Bierhoff Kratzer an den Beinen ab. «Ich wollte schlichten und danach hatten sie es auf mich abgesehen», schilderte der frühere Kapitän seine Rolle in den Tumulten, die mit einem Kung-Fu-Tritt in den Unterleib von Per Mertesacker begonnen hatten. Mertesacker zog sich Stollenabdrücke sowie eine Wunde am Oberschenkel zu, Treter Leandro Cufre bekam dafür die Rote Karte.
«Das ganze Spiel war schon gespickt von Provokationen», meinte Nationalmannschafts-Manager Bierhoff. Beim Elfmeterschießen hatte sich dann die Situation zugespitzt: Der Großteil der 72 000 Zuschauer pfiff die argentinischen Schützen gnadenlos aus, die Südamerikaner wiederum versuchten, die deutschen Akteure mit Schimpfworten zu verunsichern. «Aber das haben wir nicht verstanden, weil es spanisch war», sagte Michael Ballack. Der Kapitän konnte aber auch eine provozierende Geste seines Teamkollegen Tim Borowski nicht leugnen. «Boro hat den Finger auf den Mund gelegt und ist dann weg gegangen. Da waren sie schon ein bisschen angekratzt.» Der gesamte Frust des gescheiterten Turnier-Favoriten über das Ausscheiden, die unerklärlichen Wechsel von Trainer José Pekerman und die eigenen schwachen Elfmeter entlud sich mitten im Freudentaumel der Deutschen in Cufres Attacke gegen Mertesacker. Ein Fehltritt, denn vermutlich sollte der ähnlich große und blonde Borowski Ziel des Angriffs sein. «Es war unfair, was er getan hat. Aber er ist dafür bestraft worden. Und damit ist die Sache für mich auch erledigt. Wohin er mich getreten hat, spielt dabei keine Rolle mehr», sagte Mertesacker. Der Sünder wollte sich heimlich davonstehlen, aber der gute Referee Lubos Michel erwischte ihn noch auf der Ersatzbank. |