Doch nicht überall herrschte die berühmte britische Fairness vor. Selbst seriöse Zeitungen wie die «Times» nahmen den bitteren WM-Abschied zum Anlass für eine Abrechnung mit Trainer Sven-Göran Eriksson. Der Schwede habe die England-Elf zu einer «Langball-Sekte» verkommen lassen. «Schwere Fehler bei der Auswahl» der Spieler seien ihm anzulasten. Boulevardzeitungen wie «News of the World» gingen weiter und fragten, wie der britische Fußballverband «einem solchen Halsabschneider insgesamt 25 Millionen Pfund» zahlen konnte (37 Millionen Euro). Die englischen «Drei Löwen», schimpfte die liberale Zeitung «Independent» seien «von einem Esel geführt worden». Ganz weit ging es bei Blättern unter die Gürtellinie, die im portugiesischen Stürmer Cristiano Ronaldo den eigentlichen Schuldigen ausmachten. Der Jungstar, der sein Geld - genau wie Rooney - bei Manchester United verdient, habe England «doppelt betrogen», befand die «Times». Er habe beim Schiedsrichter um die Rote Karte für Rooney geradezu gefleht und dann auch noch das letztlich entscheidende Elfmeter-Tor geschossen. Fast alle britischen Zeitungen brachten das Szenenfoto, auf dem Ronaldo kurz nach dem schlimmen Foul von Rooney an Ricardo Carvalho scheinbar verschwörerisch mit dem rechten Auge blinzelt. «Er zwinkert - Es ist alles vorbei», schrieb «News of the World» in einer Schlagzeile über einem weiteren Bild, das neben Ronaldo weinende Englandstars zeigt.
 |