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Der Fußball kommt nach Hause und das Land weint

London (dpa) - 02.07.2006, 10:49 Uhr

Ein Fan beugt sich zu seinem Freund, der mit seiner englsichen Fahne am Boden liegt.
Ein Fan beugt sich zu seinem Freund, der mit seiner englsichen Fahne am Boden liegt.

Millionen britischer Fans haben mit Erschütterung auf das Ausscheiden des englischen Teams bei der Fußball-WM reagiert.

Vor Videobildschirmen in etlichen Städten und in tausenden Pubs des Königreichs gab es nach dem entscheidenden Elfmeter-Tor von Cristiano Ronaldo für Portugal Aufschreie des Entsetzens und Tränen. Vereinzelt wurden Portugiesen von betrunkenen englischen Fans beschimpft und bedroht.

So musste die Polizei auf der Insel Jersey, wo zehn Prozent der Bevölkerung Portugiesen oder portugiesischen Ursprungs sind, 25 gewalttätige Engländer festnehmen. Sie hatten Sicherheitskräfte mit Flaschen angegriffen. Insgesamt hätten die britischen Fußballfans die Niederlage jedoch «in Trauer, mit Anstand und ohne Gewaltausbrüche» hingenommen, sagte ein Polizeisprecher.

Allerdings überwog in den Pub-Gesprächen ebenso wie in den Medien die Überzeugung, dass England zu Unrecht die Heimreise antreten muss. Die Mannschaft habe besser gespielt als Portugal. «Sogar mit zehn Mann waren sie fast noch besser als mit elf», lobte auch der deutsche Ex-Tennisprofi Boris Becker im BBC-Fernsehen.

Die Rote Karte für Wayne Rooney rund 30 Minuten vor dem normalen Spielende wurde in Kommentaren meist als bedauerlich, aber gerechtfertigt bewertet. «Er hat den Fitness-Test bestanden, aber nicht den Gentleman-Test», sagte ein BBC-Kommentator. Rooney sei Opfer seines Ungestüms», schrieb der «Guardian» verständnisvoll. «Er muss noch viel lernen, aber er hat immer noch eine glänzende Karriere vor sich.»


Doch nicht überall herrschte die berühmte britische Fairness vor. Selbst seriöse Zeitungen wie die «Times» nahmen den bitteren WM-Abschied zum Anlass für eine Abrechnung mit Trainer Sven-Göran Eriksson. Der Schwede habe die England-Elf zu einer «Langball-Sekte» verkommen lassen. «Schwere Fehler bei der Auswahl» der Spieler seien ihm anzulasten.

Boulevardzeitungen wie «News of the World» gingen weiter und fragten, wie der britische Fußballverband «einem solchen Halsabschneider insgesamt 25 Millionen Pfund» zahlen konnte (37 Millionen Euro). Die englischen «Drei Löwen», schimpfte die liberale Zeitung «Independent» seien «von einem Esel geführt worden».

Ganz weit ging es bei Blättern unter die Gürtellinie, die im portugiesischen Stürmer Cristiano Ronaldo den eigentlichen Schuldigen ausmachten. Der Jungstar, der sein Geld - genau wie Rooney - bei Manchester United verdient, habe England «doppelt betrogen», befand die «Times». Er habe beim Schiedsrichter um die Rote Karte für Rooney geradezu gefleht und dann auch noch das letztlich entscheidende Elfmeter-Tor geschossen.

Fast alle britischen Zeitungen brachten das Szenenfoto, auf dem Ronaldo kurz nach dem schlimmen Foul von Rooney an Ricardo Carvalho scheinbar verschwörerisch mit dem rechten Auge blinzelt. «Er zwinkert - Es ist alles vorbei», schrieb «News of the World» in einer Schlagzeile über einem weiteren Bild, das neben Ronaldo weinende Englandstars zeigt.

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