Franzosen im Freudentaumel
Paris (dpa) - 02.07.2006, 12:31 Uhr
Feiernde Pariser bevölkern nach Frankreichs Sieg über Brasilien den Champs Elysees.
Die Franzosen verstehen zu feiern, doch in einem solchen Siegestaumel befand sich das Land das letzte Mal vor acht Jahren. Damals wurde Frankreich Fußballweltmeister. Zwischen Le Havre, Marseille und Straßburg brüllten und schrien Millionen von Franzosen übermütig und gerührt: «Zizou, Zizou» und «Es leben die Blauen». Nach dem Sieg gegen Brasilien stand La France Kopf: Allein auf der schönsten Straße von Paris, den Champs-Elysées, gaben sich zwischen 500 000 und eine Million Menschen einem Freudentaumel hin, der sich nur wenig um Hautfarbe und Nationalität kümmerte. Kurz nach Mitternacht schäumte auf den Champs-Elysées das Nationalgefühl über wie Champagner: Leuchtkörper wurden gezündet, Champagnerflaschen geköpft und begeistert die blau-weiß-rote Flagge geschwenkt. Jung und alt, groß und klein, Franzose, Algerier und Schwarzafrikaner bejubelten gemeinsam den Sieg. Von Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit, die vor wenigen Monaten noch in der französischen Presse Schlagzeilen machten, war in dieser Nacht nichts zu sehen und zu spüren.
«Die brasilianische Mannschaft zu schlagen ist fantastisch, das ist fast schon ein Wunder», freute sich ein Inder. «Das ist einfach genial. Wir haben hervorragend gespielt», jubelte ein Kameruner. Mit Hupkonzerten und Feuerwerken wurde auch in den Vororten gefeiert, wo sich spontan Autokolonnen bildeten, die durch die Straßen zogen. Auch Frankreichs Präsident Jacques Chirac, der das Spiel von der Frankfurter VIP-Tribüne aus aufmerksam verfolgte, konnte man schon lange nicht mehr so selig und und freudestrahlend sehen. «Ich gratuliere der Mannschaft zu diesem Sieg», lobte der Staatschef die Blauen. |