Argentinien sucht Trost
Buenos Aires (dpa) - 01.07.2006, 15:40 Uhr
Argentinische Fans trauern nach dem WM-Aus gegen Deutschland.
Millionen Argentinier haben geschockt und mit tiefer Trauer auf die Niederlage ihrer Nationalelf gegen Deutschland und das Ende aller WM-Träume reagiert. Viele suchten Trost in der Vorstellung, dass die «Albicelestes» ja eigentlich besser gespielt und nur in der «Lotterie» des Elfmeterschießens den Kürzeren gezogen hätten. Präsident Néstor Kirchner beglückwünschte die Mannschaft für «ihr Spiel, ihr Können und ihre Hingabe». Sie haben «im Stadion alles gegeben und in Würde verloren», sprach der Staatschef vielen aus dem Herzen. «Jetzt müssen wir uns auf Südafrika vorbereiten», machte sich ein Fan gleich wieder Hoffnung für die nächste WM 2010. Viele Menschen aber brachen schlicht in Tränen aus, andere irrten desorientiert im vollem Fan-Ornat durch die Straßen von Buenos Aires. Die Millionenstadt wie das ganze Land versuchten, aus den Weltmeister-Träumen in die raue Wirklichkeit zurückzufinden. «Noch nie habe ich Deutschland so schlecht spielen sehen, und trotzdem haben wir verloren», klagte ein Rundfunkreporter. Psychologen gaben im Fernsehen Ratschläge für den Umgang mit der Trauer. Andere legten sich einfach früh ins Bett und schliefen mal wieder richtig aus.
Argentinier sind jedoch geübt im Einstecken von Nackenschlägen. Oft hilft eine gehörige Portion Galgenhumor. Ein Taxifahrer zum Beispiel legte ein Vollbremsung hin und brüllte «Sofort raus», als der Fahrgast eingestand, Deutscher zu sein. «Das war nur ein Scherz. Ihr habt schon verdient gewonnen. Jetzt geht es gegen Brasilien», lachte der Fahrer den verblüfften Ausländer an. Die Fahrt war dann gratis. Nur vor dem Goethe-Institut im Zentrum der Stadt, wo sich viele Deutsche die Übertragung des Spiels angesehen hatten, kam es zu Rangeleien mit frustrierten argentinischen Fans. Verletzt wurde niemand. In der deutschen Botschaft in Buenos Aires hingegen tobten etwa 200 deutsche Fans ganz begeistert und undiplomatisch auf den Stühlen. Botschafter Rolf Schumacher versuchte, die niedergeschlagenen argentinischen Gäste etwas zu trösten. «Es war ein ganz ausgeglichenes Spiel, und ich bin froh, dass eine Mannschaft gewonnen hat», formulierte der Diplomat. Aber er war schon froh, dass nicht die andere Mannschaft gewonnen hatte.
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