WM-Fieber macht auch vor Klostermauern nicht halt
01.07.2006, 13:42 Uhr
Pater Thomas (l) und Pater Richard schauen mit Gästen das Viertelfinalspiel.
Münster (dpa) Nicht einmal die Backsteinmauern des Kapuzinerklosters in Münster können derzeit das WM-Fieber aufhalten. Vor einer Leinwand im Gartenhäuschen bangten die Ordensleute mit der deutschen Nationalmannschaft im Viertelfinalspiel gegen Argentinien. Mit von der Partie und gut eingedeckt mit Fanartikeln: rund 30 Nachbarn aus dem umliegenden Viertel. Schon vor dem Anpfiff herrscht reges Treiben im Klostergarten. Die Nachbarn haben einen Grill mitgebracht, Fähnchen werden verteilt, jemand zieht im Bollerwagen eine Kiste Bier hinter sich her. Kinder rennen über den klostereigenen Bolzplatz. Jeden Sonntag treffen sich hier die Fußballbegeisterten unter den 34 Münsteraner Kapuzinermönchen und treten gegen Kicker aus der Nachbarschaft an. Pater Erich erzählt von seiner Studienzeit, als er selbst fast jeden Tag auf dem Platz hinterm Kloster stand. Pater Richard, ganz traditionell im Habit gekleidet, zeigt schon bald wenig Vertrauen zum Schiedsrichter: «Der ist mir nicht konsequent genug.»
In der 49. Minute dann das 1:0 für Argentinien, betretenes Schweigen macht sich breit. Nur Christoph Bürgstein, Nachbar mit schwedischer Mutter, zeigt wenig Mitleid: «Das habe ich alles schon hinter mir», sagt er und spielt damit auf das verlorene Achtelfinale seiner Schweden gegen Deutschland an. Pater Thomas ist derweil in eine Diskussion verstrickt, ob man für einen Sieg der eigenen Elf beten darf. Riesenjubel dann beim Ausgleich durch Miroslaw Klose in der 80. Minute. Pater Erich hüpft in der braunen Kutte begeistert auf und ab, Nachbar Christoph Jahn schwenkt seine Fahne. Wie seine Kinder heute war er vor 20 Jahren Messdiener hier im Kloster. Die Spannung beim Elfmeterschießen ist kaum auszuhalten. Doch am Ende steht fest: Am 4. Juli werden alle wieder im Klostergarten sitzen, wenn Deutschland zum Halbfinale antritt.
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