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Italien im Freudentaumel

Rom (dpa) - 01.07.2006, 13:40 Uhr

Italienische Fans feiern auf den Straßen Roms den Halbfinaleinzug der Azzurri.
Italienische Fans feiern auf den Straßen Roms den Halbfinaleinzug der Azzurri.

Ganz Italien ist sich mittlerweile sicher: Die Azzurri werden Fußballweltmeister. «Jetzt ist alles möglich!», titelte der «Corriere dello Sport» nach dem triumphalen 3:0 der Azzurri gegen die Ukraine.

Zunächst einmal feierten die Fans von Mailand bis Messina jedoch den erträumten Einzug ins Halbfinale. «Das hat es seit der WM in den USA 1994 nicht mehr gegeben», freute sich ein Kommentator der Zeitung «Corriere della Sera».

Zehntausende liefen nach dem Abpfiff auf die Straßen, hupten, tröteten und feierten so ausgelassen, dass Beobachter sich nur vage vorstellen können, was in Italien bei einem eventuellen Sieg im Endspiel passieren würde: «Generalprobe für den 9. Juli», hieß es. Wie im Freudentaumel zogen die Tifosi durch die Städte, in Rom ging zeitweise gar nichts mehr.

Schon kurz nach 23 Uhr hatten sich überall Verkehrspolizisten in Stellung gebracht, um das Chaos auf den Straßen und Piazzas zu regeln. Zehntausende Auto- und Vespa-Fahrer mit wehenden Nationalflaggen versuchten, das historische Zentrum zu erreichen. Wie seit Jahren üblich, war die Piazza Venezia in der Nähe der Kaiserforen Mittelpunkt der Feiern. «Totti! Totti! Totti!», riefen die römischen Fans. Touristen fotografierten das Spektakel.

«Das Spiel war wie ein Befreiungsschlag. Endlich haben wir gezeigt, was wir können», sagte ein Tifoso mit stahlblauem Italia- Shirt. «Aber jetzt geht es gegen die Hausherren, das ist immer schwer», fügte er mit Blick auf das Halbfinale gegen Deutschland hinzu. Sport-Kommentatoren waren da optimistischer: «Deutschland, wir werden Dich besiegen!», titelte der «Corriere dello Sport» am Samstag in großen Lettern auf der ersten Seite.


Während des Spiels gegen die Ukraine, das wieder auf zahlreichen Großleinwänden und in Bars und Cafés übertragen wurde, waren die Restaurants in Rom wie leergefegt - ein ungewöhnliches Bild für einen Freitagabend. Wie sehr die Italiener mit ihrem Team fiebern, bekamen auch hunderte Passagiere auf dem römischen Flughafen Fiumicino zu spüren: Kurz nach Beginn der Partie wurden plötzlich und ohne Vorankündigung fünf Flüge der Gesellschaft Alitalia gestrichen. Die Bordbesatzung sei einfach nicht zum Dienst erschienen, hieß es kleinlaut zur Erklärung für die wütenden Fluggäste.

Aber auch die Deutschen feierten in Rom. Nach dem Elfmeter-Krimi gegen Argentinien liefen viele schwarz-rot-gold geschminkte Touristengruppen jubelnd durch die Innenstadt. Vor dem Goethe-Institut, wo rund 500 deutsche Fans das Spiel auf Großleinwand verfolgt hatten, wehte die Nationalflagge im Nachmittagswind. Junge Männer in bayerischen Lederhosen liefen über die Straße, ein Duft von Würstchen und Sauerkraut lag in der Luft. «Jetzt gibt es endlich wieder ein WM-Spiel Deutschland-Italien! Das wird bestimmt spannend», meinte ein deutscher Fan.

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