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Joschka Fischer schwärmt über WM

München (dpa) - 01.07.2006, 12:16 Uhr

Joschka Fischer im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.
Joschka Fischer im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Der frühere Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer schwärmt in den höchsten Tönen über die Fußball-WM in Deutschland: Sie sei «zauberhaft», das gelte sportlich und atmosphärisch, schreibt Fischer in einem Beitrag für die «Süddeutsche Zeitung».

Er fühle sich «fast an einen Sommernachtstraum, und etwas Woodstock dazu erinnert». «Überhaupt Deutschland und die Deutschen. Wer hätte das gedacht, dass man sein eigenes Land und seine Leute kaum wieder erkennt?», schreibt die frühere Leitfigur der Grünen. Quasi über Nacht zeige sich Deutschland von seiner sonnigsten und wonnigsten Seite. «Das Wetter ist mediterran, und die Leute sind es plötzlich auch.»

Fischer, der seine Politikkarriere beendet hat und im Herbst für ein Jahr eine Gast-Professur an der Elite-Universität Princeton in den USA übernimmt, schreibt weiter, ganz Deutschland feiere seit drei Wochen mit den Gästen aus aller Welt eine nie endende Party («was nicht zu erwarten war»), und die deutsche Mannschaft spiele einen mitreißenden, modernen Fußball («was überhaupt nicht zu erwarten war»).

Nicht nur im Fußballspiel der deutschen Mannschaft, sondern auch im gesamten Land zeige sich ein junges, ein cooles, ein lockeres, ein heiteres Deutschland - weltoffen, freundlich und gut gelaunt («alles andere als die bekannten deutschen Tugenden»). Fischer: «Die Jahre einer medialen Negativpropaganda scheinen an den Deutschen spurlos vorübergegangen zu sein.»

Mit Blick auf die sportliche Entwicklung bei dieser WM sprach Fischer von einem Generationswechsel. Der Fußball sei noch schneller und athletischer, die Räume daher noch enger geworden. «Ein Team, das nicht in der Lage ist, 90 (oder mehr) Minuten volles Tempo zu gehen, mit der ganzen Mannschaft schnell von Verteidigung auf Angriff umzuschalten, mit perfekter Technik, den Ball auf engstem Raum zu kontrollieren und dann auch noch zu punkten, hat in der Weltspitze kaum noch eine Chance.» Hier sei im Fußball durchaus eine gewisse Parallele zu den Bedingungen der globalisierten Märkte festzustellen, die ähnliche Umstellungen von den nationalen Volkswirtschaften erzwängen.


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