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Juschtschenko lobt «Helden der Ukraine»

Hamburg (dpa) - 01.07.2006, 12:26 Uhr

Die Spieler der Ukraine haben eine starke WM in Deutschland gespielt.
Die Spieler der Ukraine haben eine starke WM in Deutschland gespielt.

Als er die Glückwünsche seines Staatspräsidenten empfangen hatte, konnte sogar der sonst so spröde Oleg Blochin lächeln und machte trotz des WM-Aus der Ukrainer im Viertelfinale noch Witze.

«Wir konnten hier viele Erfahrungen sammeln. Aber wir haben auch Fehler gemacht. Die wollen wir künftig vermeiden und uns bei der Europameisterschaft noch stärker präsentieren», meinte der Chefcoach nach dem glatten 0:3 (0:1) gegen die Italiener, bei dem sein Team in Hamburg bereits seit dem frühem Treffer von Gianluca Zambrotta in der 6. Minute auf verlorenem Posten stand.

«Sie kommen als Helden nach Hause», sagte Staatspräsident Viktor Juschtschenko trotz der Niederlage und war begeistert vom Auftritt seines Teams, das wegen seines Defensiv-Stils in den zurückliegenden Spielen nicht viele Sympathisanten gefunden hatte. «Die Mannschaft hat im Turnierverlauf eine brillante Entwicklung gezeigt. Sie hat eindrucksvoll zur Verbesserung des Images der Ukraine beigetragen», erklärte der Führer der «orangenen Revolution», der mit einem ukrainischen Schal auf den Schultern erstmals einem WM-Spiel beiwohnte. Eingeladen worden war Juschtschenko von Oleg Blochin und Verbandes-Präsident Grigori Surkis, die im Parlament der Ukraine zu den erklärten Gegnern der «Orangenen» gehören.

Die Mannschaft reist noch am 1. Juni in die Heimat ab. Der WM-Neuling kehrte nach dem Italien-Spiel aus Hamburg nur noch kurz ins Quartier nach Potsdam zurück, wo die Osteuropäer drei Wochen gewohnt hatten. Bereits für den Abend war mit einem Charterflug die Rückkehr nach Kiew geplant.

Die Profi-Kicker hatten in der Partie gegen den übermächtigen Gegner lange glücklos um den Ausgleich gekämpft. Andrej Gussins Kopfball knallte an den Pfosten (50.), Maxim Kalinitschenkos Schuss wurde von Zambrotta (58.) von der Tor-Linie geschlagen. Als Luca Toni im Gegenzug dann aus Abseits-Position zum 2:0 einköpfte, war der Traum von einer erneuten Überraschung durch die einzigen im Wettbewerb verbliebenen Osteuropäer endgültig ausgeträumt.


«Wir haben unserem Land Ehre gemacht. Natürlich war ich zunächst niedergeschlagen. Aber andererseits bin ich sehr zufrieden mit dem, was wir hier geleistet haben. Wir standen unter den Top acht der Welt, wer kann das schon von sich sagen?», würdigte Blochin das von kaum jemandem erwartete Vordringen des WM-Neulings, der von den Oligarchen des Landes mit acht Millionen Dollar (6,3 Millionen Euro) fürstlich entlohnt wurde. Damit darf sich jeder Spieler mit fast 300 000 Euro Prämie trösten.

Auch Superstar Andrej Schewtschenko, der auf Grund mangelnder Fitness nach überstandener Knie-Verletzung bei der WM nie zur Top-Form fand, konnte gegen seine einstigen Team-Gefährten vom AC Mailand den Spieß nicht umdrehen. Er prüfte mit Schüssen aus der zweiten Reihe nur zwei Mal den gut aufgelegten Juve-Keeper Gianluigi Buffon (41./80.). «Wir scheiden erhobenen Hauptes von der WM. Wir haben mit viel Herz gespielt, aber es hat gegen die starken Italiener nicht gereicht. Grande Italia!», sagte der künftige Chelsea-Stürmer und outete sich damit als Fan der Italiener: «Jetzt drücke ich ihnen die Daumen und hoffe, dass sie Weltmeister werden.»

Für Verwunderung sorgte der in den zurückliegenden drei WM-Wochen gegenüber den Medien stets knurrig und unwillig wirkende Oleg Blochin bei seiner letzten Pressekonferenz in Deutschland. «Ich danke den Journalisten für ihre vielen aufschlussreichen Artikel über das ukrainische Team. Dies alles zu lesen, war für mich wie Science-Fiction-Literatur.» Sprach's und verschwand mit einem süffisanten Lächeln.

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