In der regulären Spielzeit hatte der Keeper gegen die Südamerikaner zwar leichte Startschwierigkeiten, doch danach mühte er sich neben seiner Torwartarbeit, viele Anweisungen zu geben und von hinten heraus zu dirigieren. Die nervliche Anspannung im K.o.-Duell war ihm von der ersten Minute an deutlich anzumerken. «Jetzt kommt der Zeitpunkt, wo der Druck steigt», hatte Lehmann vor der größten Bewährungsproben der Nationalmannschaftskarriere erklärt. Lehmanns Situation bei der Heim-WM war bis zum Freitagabend völlig konträr zu der seines Rivalen Kahn vor vier Jahren in Asien. Der als Nummer 1 ausgemusterte Kahn, der durch die Szene mit Lehmann vor dem Elfmeterschießen Größe bewies, führte die deutsche Mannschaft damals als «Titan» mit überragenden Leistungen und nur einem Gegentreffer bis ins Finale. Nun bescherte Lehmann seinem Team zumindest das Halbfinale. Kahns deutschen WM-Rekord, drei Gegentore in sieben Spielen, kann Lehmann, der außerhalb des Elfmeterschießens drei Mal hinter sich greifen musste, nicht mehr verbessern. Aber er kann noch genauso gut sein wie sein Kontrahent. Dazu müsste er seine weiße Weste behalten - und könnte Deutschland so vielleicht zum WM-Titel führen.
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