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DFB-Elf siegt im Elfmeterkrimi gegen Argentinien

Berlin (dpa) - 30.06.2006, 20:11 Uhr

Die deutschen Spieler jubeln nach dem Sieg im Elfmeterschießen über Argentinien.
Die deutschen Spieler jubeln nach dem Sieg im Elfmeterschießen über Argentinien.

Das deutsche Fußball-Märchen bei der Heim-WM geht weiter - mit Freudentänzen auf dem Rasen feierten die Nationalspieler in Berlin mit den 4:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen Argentinien den insgesamt zehnten Einzug ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel umarmte auf der Tribüne Franz Beckenbauer und klatschte im Takt zur Melodie «Oh, wie es ist das schön». In der Vorschlussrunde trifft der WM-Gastgeber am 4. Juli in Dortmund auf den Gewinner des Spiels Italien - Ukraine.

Im Elfmeterschießen bewies Jens Lehmann Nerven wie Drahtseile und hielt die Schüsse von Roberto Ayala und Esteban Cambiasso. Für den WM-Gastgeber verwandelten Oliver Neuville, Michael Ballack, Lukas Podolski und Tim Borowski sicher. Während die Spieler auf dem Rasen zum Song «Wir werden Weltmeister» tanzten, verschwand der sichtlich geschaffte Lehmann als Erster in der Kabine. Als schlechte Verlierer erwiesen sich dagegen einige Argentinier und zettelten am Spielfeldrand eine Rangelei an.

«Ich denke, das wird von mir erwartet, als deutscher Torwart sollte man ein Elfmeterschießen gewinnen», sagte Matchwinner Lehmann. «Das war sensationell. Es ist ein großer Lauf, den wir im Moment haben. Da sieht man, was in der Mannschaft steckt», erklärte Ballack beinahe überwältigt von seinen Gefühlen. «Wir haben gekämpft bis zur letzten Sekunde», fügte Neuville hinzu. «Es war ein faszinierendes Spiel», sagte Torschütze Klose noch sichtlich aus der Puste.

Nach 120 packenden Minuten hatte es vor 72 000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion 1:1 (1:1, 0:0) gestanden. Nachdem Ayala (49.) die Südamerikaner als Folge der ersten Unaufmerksamkeit in der deutschen Abwehr in Führung gebracht hatte, drohte wie zuletzt 1994 und 1998 das Aus im WM-Viertelfinale. Doch Miroslav Kloses erstes Kopfball-Tor im Turnier (80.) riss ein schon verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer und bescherte dem leidenschaftlich kämpfenden Team von Jürgen Klinsmann noch die Verlängerung.


Mit dem vierten Sieg im vierten WM-Elfmeterschießen gelang es der deutschen Mannschaft, ihre seit fast sechs Jahren und 17 Spielen anhaltende schwarze Serie gegen die Großen des Fußballs zu beenden.

Das erste WM-Duell der Fußball-Großmächte seit dem deutschen Final-Triumph 1990 entwickelte sich zu der erwarteten Nagelprobe, in dem die deutsche Mannschaft auf einen sehr gut organisierten Gegner traf und erstmals im Turnierverlauf kaum dazu kam, selbst den Rhythmus zu bestimmen. Die spielerischen Vorteile des zweifachen Weltmeister glichen die Gastgeber allerdings mit Zweikampfstärke und Leidenschaft aus.

Erst in Rückstand liegend, offenbarte das Team aber jene bedingungslose Entschlossenheit, die es vier Spiele lang ausgezeichnet hatte und wurde schließlich mit dem Ausgleich durch das fünfte Turniertor von Klose belohnt. Der Bremer traf nach einer Ballstafette über Ballack und den eingewechselten Borowski per Kopf zu seinem insgesamt zehnten WM-Tor und zog damit in der deutschen Rangliste mit Helmut Rahn gleich. Jetzt rangieren nur noch Gerd Müller (14) und Klinsmann (11) vor dem gebürtigen Polen.

Torsten Frings und Ballack ließen Argentiniens Regisseur Juan Roman Riquelme nur wenig Raum für seine gefürchteten Pässe, dennoch ging das Konzept der geduldig und clever auf einen deutschen Fehler wartenden Südamerikaner vier Minuten nach der Pause mit dem 0:1 auf. Ballack war fast ausschließlich mit Defensiv-Aufgaben beschäftigt und fand erst spät Gelegenheit, auf das Spiel nach vorne einzuwirken. In der zweiten Hälfte der Verlängerung wurde der 29-Jährige von Krämpfen geschüttelt und war kaum mehr als Statist. Dennoch übernahm er Verantwortung und trat zur Entscheidung vom Punkt an.

Die laut einer FIFA-Statistik zweikampfstärkste Mannschaft des Turniers unterstrich auch gegen den argentinischen Angriff, in dem der quirlige Carlos Tevez überraschend den Vorzug vor Javier Saviola erhalten hatte, dass sie von Spiel zu Spiel gewachsen ist. Per Mertesacker und Christoph Metzelder ließen in der Mitte nichts anbrennen. Arne Friedrich verbiss sich förmlich in die Zweikämpfe und half mit, die rechte Seite zuzumachen. Auf links war Philipp Lahm der erste, der Flügelläufe wagte und auch zu Flanken kam.

Wie von Klinsmann gefordert, ging die deutsche Elf von Beginn an aggressiv zu Werke. Allen voran Podolski, der schon nach 20 Sekunden Javier Mascherano von den Beinen holte und in der 3. Minute für sein zweites Foul Gelb sah. Erst allmählich löste sich die schier übergroße Anspannung, wurden auch erste spielerische Akzente gesetzt. In der 16. Minute verpasste Ballack die deutsche Führung, als der Kopfball des Kapitäns nach Flanke von Bernd Schneider knapp am argentinischen Tor vorbeiflog.

Vier Minuten nach dem Seitenwechsel gelang den Argentiniern praktisch mit der ersten Torchance die Führung. Nach einem Eckball von Riquelme gewann Ayala das Kopfballduell gegen Klose und ließ dem bis dahin kaum beschäftigten Jens Lehmann mit einem platzierten Kopfball keine Chance. Die deutsche Mannschaft zeigte sich jedoch keineswegs geschockt und zeigte endlich die vorher vermisste Wucht und Geradlinigkeit im Spiel nach vorne. Klinsmann setzte wie im Vorrundenspiel gegen Polen alles auf eine Karte und brachte erst mit David Odonkor für Schneider und dann mit Oliver Neuville für Klose zwei Joker ins Spiel, die frischen Wind in die Aktionen brachten.

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