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Völkerwanderung vor WM-Klassiker

Berlin (dpa) - 30.06.2006, 16:51 Uhr

Fans feiern auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg.
Fans feiern auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg.

Das WM-Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien hat zwischen Flensburg und Füssen eine wahre Völkerwanderung der Fußballfans ausgelöst: Aus allen Richtungen strömten die Massen Richtung Fanfeste, um rechtzeitig einen Platz vor den rund 200 Großbildleinwänden zu ergattern.

Ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer deckte wieder die größte deutsche Fanmeile auf der Straße des 17. Juni in Berlin zu. Die Hauptstadt wollte erneut die Millionen-Marke übertreffen. Erstmals mehr als eine halbe Million Menschen versammelte sich auf den Public-Viewing-Plätzen in Nordrhein-Westfalen.

Bundesweit rechnete die Polizei nach ersten Einschätzungen des Ansturms zu der Live-Übertragung aus dem Berliner Olympiastadion mit deutlich mehr als zwei Millionen Menschen. Die bisherige, von FIFA-Präsident Joseph Blatter bereits als «fabelhaft» gelobte Marke von elf Millionen Fans auf den WM-Festen wäre dann mit dem Start in die Runde der letzten Acht deutlich aufgestockt.

Auch in Hannover strömten schon Stunden vor dem Anpfiff des Fußball-Klassikers im Berliner Olympiastadion (17.00 Uhr) die Massen vor die Videowände an der Waterloo-Säule. Diesmal waren überall auch viele Cafés, Restaurants, Biergärten und Gaststätten mit TV- Übertragung «proppevoll», hieß es.

Zuschauer-Rekorde wurden praktisch in allen größeren Städten erwartet. In Stuttgart schloss die Polizei das Public Viewing am Schlossplatz eine Stunde vor Anpfiff, nachdem sich dort bereits mehr als 40 000 Menschen drängelten. Schon Stunden vor dem Spiel hatten sich in der Main-Arena in Frankfurt rund 40 000 Fans eingefunden. Bei einem Vorstoß der Gastgeber ins Halbfinale werde das Frankfurter Stadion für weitere 40 000 Zuschauer geöffnet, so die Behörden.


Mehrere Städte hatten bereits zusätzliche Feierplätze angeboten. Auch in den Kommunen ohne WM-Spiele zog das Interesse der Bürger deutlich an. So dehnten zum Beispiel Braunschweig, Osnabrück oder Bremen die Kapazitäten mit Erfolg aus. In Hamburg wurde die Partie nun auch auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli gezeigt, so dass weitere 30 000 Fans die Übertragung verfolgten konnten, sagte Platzmanager Jochen Bohnsack. Auf dem Heiligengeistfeld, das beim letzten Deutschlandspiel gegen Schweden sicherheitshalber wegen Überfüllung gesperrt werden musste, stimmten sich gut 70 000 Menschen auf das Duell mit den Südamerikanern ein.

Die Stimmung war vor dem Spiel überall fantastisch. In der vorherigen zweitägigen Verschnaufpause ohne WM-Spiele hatten sich die Getränke- und Imbisshändler ebenso mit neuen Vorräten eingedeckt wie die Souvenirverkäufer. Deren schwarz-rot-goldene Utensilien fanden reißenden Absatz. Nur dicke Baumwollschals gingen bei Sommerwetter kaum über die Tische.

Die WM-Party blieb allerorten friedlich und weiterhin international. In Hamburg machten sich schon zum Deutschland-Spiel die Fans der Gegner des zweiten Viertelfinals zwischen Italien und der Ukraine in Blau und in Gelb-Blau bemerkbar. In Gelsenkirchen hatten sich Tausende britischer und portugiesischer Fans schon einen Tag vor ihrem Viertelfinale unter die deutschen Gastgeber gemischt und feierten ebenso sangesfreudig wie trinkfest einfach mit. Die Fans von der Insel freuten sich besonders über eine Geste: Die Stadt richtete eigens die Trabrennbahn her, wo am Samstag bis zu 80 000 Briten das Spiel mit original BBC-Kommentar sehen und hören können.

Auch in München und Nürnberg waren die Plätze schon lange vor dem Spiel restlos besetzt, und viele Fans drängelten noch nach. Viele Arbeitgeber hatten «resigniert» und ihren Mitarbeiter vorzeitig frei gegeben. In Düsseldorf sagte Jörg Menzel vom Modelleisenbahngeschäft Menzels Lokschuppen: «Wir haben überlegt, einen Fernseher aufzustellen, es dann aber gelassen. Es kommt sowieso kein Mensch.» Er schloss den Laden, nachdem die Chefs eines großen Buchgeschäfts und eines Kaufhauses in der Nähe ebenfalls die Mitarbeiter nach Hause oder auf die Fanmeilen geschickt hatten.

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