Mehrere Städte hatten bereits zusätzliche Feierplätze angeboten. Auch in den Kommunen ohne WM-Spiele zog das Interesse der Bürger deutlich an. So dehnten zum Beispiel Braunschweig, Osnabrück oder Bremen die Kapazitäten mit Erfolg aus. In Hamburg wurde die Partie nun auch auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli gezeigt, so dass weitere 30 000 Fans die Übertragung verfolgten konnten, sagte Platzmanager Jochen Bohnsack. Auf dem Heiligengeistfeld, das beim letzten Deutschlandspiel gegen Schweden sicherheitshalber wegen Überfüllung gesperrt werden musste, stimmten sich gut 70 000 Menschen auf das Duell mit den Südamerikanern ein. Die Stimmung war vor dem Spiel überall fantastisch. In der vorherigen zweitägigen Verschnaufpause ohne WM-Spiele hatten sich die Getränke- und Imbisshändler ebenso mit neuen Vorräten eingedeckt wie die Souvenirverkäufer. Deren schwarz-rot-goldene Utensilien fanden reißenden Absatz. Nur dicke Baumwollschals gingen bei Sommerwetter kaum über die Tische. Die WM-Party blieb allerorten friedlich und weiterhin international. In Hamburg machten sich schon zum Deutschland-Spiel die Fans der Gegner des zweiten Viertelfinals zwischen Italien und der Ukraine in Blau und in Gelb-Blau bemerkbar. In Gelsenkirchen hatten sich Tausende britischer und portugiesischer Fans schon einen Tag vor ihrem Viertelfinale unter die deutschen Gastgeber gemischt und feierten ebenso sangesfreudig wie trinkfest einfach mit. Die Fans von der Insel freuten sich besonders über eine Geste: Die Stadt richtete eigens die Trabrennbahn her, wo am Samstag bis zu 80 000 Briten das Spiel mit original BBC-Kommentar sehen und hören können. Auch in München und Nürnberg waren die Plätze schon lange vor dem Spiel restlos besetzt, und viele Fans drängelten noch nach. Viele Arbeitgeber hatten «resigniert» und ihren Mitarbeiter vorzeitig frei gegeben. In Düsseldorf sagte Jörg Menzel vom Modelleisenbahngeschäft Menzels Lokschuppen: «Wir haben überlegt, einen Fernseher aufzustellen, es dann aber gelassen. Es kommt sowieso kein Mensch.» Er schloss den Laden, nachdem die Chefs eines großen Buchgeschäfts und eines Kaufhauses in der Nähe ebenfalls die Mitarbeiter nach Hause oder auf die Fanmeilen geschickt hatten.
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