Referee-Chef Llona: Leistungen besser als 2002
Berlin (dpa) - 30.06.2006, 14:28 Uhr
FIFA-Referre-Chef Angel Maria Villar Llona nimmt an einer Pressekonferenz teil.
Ungeachtet der harschen Kritik hat FIFA-Schiedsrichterchef Angel Maria Villar Llona die WM-Referees in Schutz genommen. «Die Leistungen waren besser als vor vier Jahren bei der WM in Südkorea und Japan», resümierte der Spanier in Berlin. Mit Ausnahme von drei Spielen hätten die Unparteiischen «auf hohem Niveau» gepfiffen. «Es gab Fehler, aber Schiedsrichter sind auch nur Menschen», meinte Llona. Die Einführung eines Ball-Chips als technisches Hilfsmittel zum Tor-Beweis oder Zeitstrafen anstelle von Gelben Karten seien Zukunftsthemen, «die diskutiert werden sollten». Für Wirbel hatten vor allem die vier Platzverweise des russischen Referees Walentin Iwanow beim Achtelfinal-Skandalspiel zwischen Portugal und den Niederlanden sowie der dreimalige Gelbe-Karten- Fehlgriff von Graham Poll in der Partie Kroatien - Australien gesorgt. Der englische Profi-Schiedsrichter zog daraus die Konsequenz und beendete seine internationale Karriere. Iwanow und Poll haben wie weitere zwölf Referee-Trios bereits die Heimreise angetreten.
Den Vorwurf, die FIFA habe seine 21 ausgewählten Schiedsrichter-Gespanne mit einem Vorgaben-Katalog zu sehr unter Druck gesetzt und ihren Entscheidungsspielraum eingeengt, wies Llona zurück. «Niemand wurde unter Druck gesetzt. Alles sind erfahrene Leute, die über viel Routine verfügen», entgegnete der FIFA-Vizepräsident, der nach der Referee-Schelte bei der WM 2002 zum Vorsitzenden der FIFA-Schiedsrichterkommission ernannt worden war. Vielmehr habe der Weltverband noch nie so viel für die WM- Vorbereitung der Unparteiischen getan. «In den vergangenen anderthalb Jahren hat die FIFA so viele Mittel wie noch nie in diesem Bereich investiert», sagte Llona. Bewährt habe sich, dass nicht mehr einzelne Schiedsrichter, sondern eingespielte Gespanne nominiert worden seien. «Es war die WM der Schiedsrichter-Assistenten», sagte Llona, «denn es sind mehr Tore gefallen, die früher wegen Abseits zurückgenommen wurden». Im Fall der drei von Poll gezeigten Gelben Karten hatten aber auch seine beiden Assistenten sowie der vierte Mann den Briten nicht auf den peinlichen Fauxpas aufmerksam gemacht. Aufgeschlossen zeigte sich Llona gegenüber dem Ball-Chip und Überlegungen, Zeitstrafen wie beim Handball oder Eishockey im Fußball an Stelle oder als Ergänzung zu Gelben Karten einzuführen. «Es ist ein Thema, das man debattieren kann», meinte er. Dem Videobeweis zur Klärung von strittigen Situationen während eines Spiels steht er hingegen skeptisch gegenüber. «Es würden nur technische Lösungen helfen, die unzweifelhaft und schnell zur Klärung beitragen können», sagte Llona, «doch nicht alle technischen Hilfsmittel können das».
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