FIFA-Experten: Leistungsunterschied bei nicht krass
Berlin (dpa) - 29.06.2006, 15:50 Uhr
Die Mannschaft von Trinidad und Tobago konnte bei der WM überzeugen.
Die Welt des Fußballs rückt nach Einschätzung der FIFA-Experten leistungsmäßig immer mehr zusammen. «Der Leistungsunterschied zwischen den Mannschaften bei der WM ist nicht mehr krass», sagte Holger Osieck, Leiter der Technical Study Group (TSG) des Weltverbandes FIFA, in Berlin bei einer ersten sportlichen Zwischenbilanz. «Teams, von denen man erwartet hat, dass sie ein Haus der offenen Tür bieten würden, gab es nicht.» WM-Neuling Trinidad und Tobago sei zwar in der Vorrunde ausgeschieden, habe aber nur vier Gegentore kassiert. «Die waren nicht das erwartete Kanonenfutter», meinte Osieck. Überraschungen habe es mit Ausnahme der Ukraine nicht gegeben. Der WM-Neuling erreichte das Viertelfinale. Dass Newcomer wie Angola, Elfenbeinküste oder Togo trotz guter fußballerischer Fähigkeiten nicht über die Vorrunde hinaus kamen, habe mit fehlender Erfahrung zu tun. «Wenn man in ein Turnier mit viel Ehrgeiz, aber wenig Ahnung kommt, hat man keine Chance», stellte Osieck fest, «Erfahrung kann man durch nichts ersetzen.» Dass sechs Ex-Weltmeister noch im Turnier seien, unterstreiche dies.
Ein Lob gab es von der TSG für die 32 Chefcoaches. «Die Trainerleistungen sind aus unserer Sicht sehr gut. Man darf nicht vergessen, was für ein Druck auf ihnen lastet», meinte Osieck, der 1990 als Assistenztrainer von DFB-Teamchef Franz Beckenbauer Weltmeister wurde. Ein besonders gutes Händchen hätten sie mit ihren Einwechslungen bewiesen. Immerhin sind 21 der insgesamt 132 Tore von eingewechselten Spielern erzielt worden. Kein abschließendes Urteil wollte die TSG über die spieltechnische Qualität des 18. WM-Turniers abgegeben. «Dass diese Endrunde schwächer ist als vorhergehende, können wir nicht unterstreichen, denn die wichtigen Spiele kommen noch», sagte Osieck. Sein Kollege Andy Roxburgh meinte: «Wenn Brasilien und Argentinien teilnehmen, ist die Qualität immer Spitze.» Der ehemalige schottische Nationalcoach erwartet, dass sich der bisher glanzlose Weltmeister noch steigern wird. «Man erwartet immer, dass sie ein Feuerwerk abbrennen, doch sie haben so gespielt, wie sie mussten», so Roxburgh, «ich bin sicher, da kommt noch mehr.» |
Dass mit einem Tore-Durchschnitt von 2,36 in den bisherigen 56 Partien die Trefferquote so niedrig wie kaum zuvor ist, ist für Roxburgh kein Indikator für schlechte Qualität: «Fußball heißt nicht nur, Tore zu schießen. Ein Spiel kann auch mit wenigen Treffern ein Drama sein, wie das 2:1 von Argentinien gegen Mexiko», meinte Roxburgh. Die meisten Tore sind bislang in den letzten zehn Minuten (34) gefallen, in den ersten zehn Minuten waren es nur 18. Beeindruckt ist die TSG auch von einigen «jungen Wilden» wie dem Argentinier Lionel Messi, Englands Torjäger Wayne Rooney oder dem deutschen Stürmer Lukas Podolski. «Da gibt es einige junge Spieler, die Potenzial haben und in der Zukunft eine Rolle spielen können», sagte Roxburgh und fügte an: «Rooney erlebt ein wahnsinniges Comeback. Er könnte der beste Spieler des Turniers werden.»
 |