Fotios Stavridis zapft in seiner Gaststätte ein Weissbier.
Nicht einmal auf das stille Örtchen darf Fotios Stavridis hinweisen. Vor jedem WM-Spieltag rücken die FIFA-Gesandten an und suchen seine Kneipe nach verbotener Werbung ab.
Ihre Augen blieben dabei selbst an einem Plakat mit der Aufschrift «Gyros, Toiletten, Terrasse und Zigaretten» hängen. «Da ist ein Arbeitskommando von fünf Mann gekommen und hat das Schild draußen von der Wand gefieselt», erzählt der 52-Jährige. Unlautere Werbung für seine Kneipe sei das gewesen. «Wenn ich eine Kamera gehabt hätte, hätte ich so etwas Komisches sofort fotografiert.»
Stavridis betreibt auf dem Gelände des Polizeisportvereins Stuttgart eine Gaststätte, die hinter dem Gottlieb-Daimler-Stadion und somit mitten in der Bannmeile des Fußball-Weltverbandes liegt. In diese Sicherheitszone dürfen während der sechs WM-Spiele in Stuttgart und an den Vortagen nur Menschen mit Akkreditierung oder Ticket. Werbung, die nicht von den FIFA-Hauptsponsoren kommt, muss entfernt oder verdeckt werden.
In und um die Kneipe kleben Plastikfolien über Zapfsäulen und Schildern der deutschen Hausbrauerei. Das einzige Bier, das hier fließen darf, ist Budweiser. «Was ist das schon?», fragt Stavridis, als er eine kleine braune Plastikflasche in die Luft hält, «das trinkt doch keiner». Sogar Polizeipräsident Konrad Jelden musste er das kleine Braune einschenken, obwohl der ein Weizenbier wollte. «Kein Weizen, kein Ouzo, kein Wein, nichts», klagt der gebürtige Grieche.
Vor Beginn der WM träumte Stavridis von klingelnden Kassen. «Die von der FIFA haben mir weiß Gott was versprochen, dass hier täglich tausende von Menschen kommen.» Doch was kam, war ein Haufen Stress und ein mieser Umsatz. «Ich mache nicht einmal ein Fünftel des Umsatzes, den ich bei Bundesligaspielen des VfB mache.»
Denn ist das Gelände abgesperrt, lassen sich nur noch wenige Fans blicken, die meisten hasten in Vorfreude auf das Spiel vorbei. «Ich hatte in den 18 Jahren, die ich hier Wirt bin, noch keinen Ruhetag. Nun habe ich in vier Wochen gleich zwölf - die Spieltage und die Tage davor.» Mitarbeitern, die er extra angestellt hat, gibt er 50 Euro und schickt sie heim. «So ein Theater», schimpft Stavridis.
Der Vorsitzende des Polizeisportvereins, Willfried Jentzsch, ist um Schlichtung bemüht. «Die WM ist eben nur einmal hier, da muss man auch zurückstecken.» Doch dass 0,3 Liter Bier jetzt 3,50 Euro kosten, während der halbe Liter vorher für 2,50 Euro zu haben war, findet auch er «lächerlich». Hinzu komme das leidige Pfand. «Erzählen sie das mal einem Franzosen oder einem von der Elfenbeinküste, dass er einen Euro wiederbekommt, wenn er den Becher abgibt.»