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Wortmann: Viertelfinale reicht nicht fürs Kino

Berlin (dpa) - 29.06.2006, 12:46 Uhr

Sönke Wortmann (MItte) filmt das Training der deutschen Nationalspieler.
Sönke Wortmann (MItte) filmt das Training der deutschen Nationalspieler.

Seine Kamera läuft auch in der Kabine, in der Players Lounge und in der «Muckibude» - doch ob aus den ungewöhnlichen Aufzeichnungen von Filmregisseur Sönke Wortmann auch großes Kino wird, entscheidet sich vielleicht schon gegen Argentinien.

«Den Film wird es auf jeden Fall geben, mindestens im Fernsehen. Jetzt kommt es auf die Umstände an, wie weit es geht. Für Kino reicht Ausscheiden im Viertelfinale noch nicht», erklärte der Bundesfilmpreis-Träger («Kleine Haie»/1992) vor dem großen Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Südamerikaner.

Wortmann darf die WM als Teammitglied hautnah erleben und drehen - und wird auch gegen Argentinien mit auf der deutschen Bank sitzen: «Dass ich das überhaupt machen durfte, hat mich bei dem ganzen Projekt bisher am meisten überrascht. Der DFB gilt ja oder galt natürlich als sehr konservativer Verein.» Pierre Littbarski und Sepp Maier hatten als Spieler schon einmal Geheimnisse aus der Mannschaft per Fotos und Videos dokumentiert, doch quasi nur für den internen Gebrauch. Dass es jetzt einen professionellen Film über das in den WM-Tagen streng gehütete Innenleben geben wird, ist ebenso revolutionär wie viele Maßnahmen von Jürgen Klinsmann. Selbst der als rigoros und streng geltende Weltverband FIFA stimmte zu.

Natürlich wird Bundestrainer Klinsmann eine Hauptrolle in Wortmanns Film spielen. «Wenn er zur Mannschaft spricht, drehe ich das immer mit. Und ich kann nur sagen, dass er ein glänzender Motivator ist. Und das mal zu hören in einem Film, was hat er denn nun wirklich gesagt, das ist das Entscheidende, das hat es vorher nicht gegeben», berichtete Wortmann, einer der erfolgreichsten deutschen Filmregisseure, bekannt geworden vor allem mit «Der bewegte Mann».

Wortmann, der wie Klinsmann viele Jahre USA-Erfahrung besitzt, sieht im Bundestrainer «keinen normalen Menschen, sondern einen Visionär» wie vielleicht Christoph Columbus. «Das sind Leute, die haben ihre Sache im Kopf und ziehen das durch», beschrieb der Regisseur den Leiter der WM-Mission, der natürlich in sein Drehbuch passt. Klinsmann werde aber nicht der alleinige Hauptdarsteller sein: «Ich will schildern, wie funktioniert so eine Weltmeisterschaft von innen, dazu gehören auch Betreuer, Physiotherapeuten, Ärzte - das wird alles ausführlich erzählt.»


Natürlich geht es auch um die, die Tore schießen. Ob die deutschen WM-Treffer aber noch einmal im Film zu sehen sein werden, weiß Wortmann noch nicht. Er könnte zwar die Original-TV-Aufnahmen verwenden, da sein Streifen in der ARD laufen wird und die öffentlich-rechtlichen Anstalten die Lizenz von der FIFA gekauft hatten. «Aber ich brauche die wahrscheinlich gar nicht. Die Tore hat ja jeder dutzendfach gesehen. Interessant ist nicht, wie der Ball rein geht, sondern wie zum Beispiel Philipp Lahm damit umgeht.»

Längst ist Wortmann nicht mehr nur der Beobachter mit der Kamera, der auch in der offiziellen Sportbekleidung des DFB beim Training und den Spielen auftaucht. Klinsmann hat ihn einbezogen, Wortmann, der Regisseur, ist inzwischen auch Motivator. Er schneidet kurze, emotionale Videos zusammen, mit einem davon werden Michael Ballack & Co. nun auch heiß gemacht für Argentinien. Eine Gefahr für sein eigenes Projekt sieht Wortmann dadurch nicht: «Als Dokumentarfilmer hat man ja keinen Einfluss auf das, was passiert. Ob ich nun Mitglied der Truppe bin und mich so fühle oder Außenstehender, es würden die selben Bilder werden.»

Den Titel «Wunder von Berlin» hat Wortmann, der das «Wunder von Bern» als Spielfilm ins Kino gebracht hatte, inzwischen schon ausgeschlossen. «Ich glaube, dass das sportliche Ergebnis kein Wunder ist im Gegensatz zu 1954. Das Wunder ist, was im Moment mit Deutschland passiert.» Dennoch braucht auch der 46-Jährige noch mindestens einen Sieg, um seinen Traum vom neuen Kinofilm zu realisieren. «Das ist anderes Publikum, die Leute müssen aufstehen, aufs Fahrrad, ins Auto, müssen zehn Euro Eintritt bezahlen. Das machen sie nicht, um Deutschland im Viertelfinale ausscheiden zu sehen.»

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