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Campino schwärmt für die Gauchos

Berlin (dpa) - 29.06.2006, 10:16 Uhr

Campino auf dem Weg zu einem Vorrundenspiel der Engländer.
Campino auf dem Weg zu einem Vorrundenspiel der Engländer.

Einen deutschen Fan hat Argentinien im WM-Duell zwischen den «Pekerman Boys» und Jürgen Klinsmanns Elf sicher. «Solange das Spiel nicht gegen England geht, drücke ich den Argentiniern immer die Daumen», sagt Campino von den Toten Hosen vor dem Viertelfinalspiel in Berlin.

Das Fußballherz des Sängers schlägt für das Land der Gauchos. «Argentinien ist ein Rock- und Punk-Land», schwärmt Campino, «ich hoffe, dass sie den Deutschen eine wirklich schwere Zeit bereiten werden.» Der Sohn einer englischen Mutter wünscht sich zwar das Team um David Beckham, Wayne Rooney und Peter Crouch im Finale. «Doch bei diesem schwachen Niveau, das die Mannschaft gerade bietet, glaube selbst ich nicht mehr daran.» Die Sympathien für Deutschland beim Fußball halten sich bei Campino in Grenzen. Aber: «Ich habe noch nie ein deutsches Team so spielfreudig und unterhaltsam erlebt - dafür zoll ich ihnen Respekt, obwohl ich es nicht gerne tue.»

Als Argentinien-Sympathisant ist Campino ein Spätbekehrter. «Ich hatte lange ein Problem mit Maradonas "Hand Gottes" im Spiel gegen England bei der WM 1986», sagt er. «Argentinien hat uns damals gedemütigt.» Doch seitdem die Toten Hosen Anfang der 90er Jahre erstmals in Argentinien auftraten, schwärmt der «Hosen»-Sänger vom südamerikanischen Land. «Wir Hosen sind selten einem gastfreundlicheren Land begegnet.»

«Los Chosen», wie der Bandname in Argentinien ausgesprochen wird, war damals der Ruf aus Deutschland vorausgeeilt. Am Flughafen von Buenos Aires seien sie von den Zöllnern begrüßt worden, Bauarbeiter hätten auf der Straße Grüße hinterher gerufen. In Argentinien kennen die Toten Hosen fast jedes Kind, der Bandname ist an viele Mauern in Graffiti verewigt. «Als ich das Land und die Menschen näher kennen lernte, habe ich mich für meine damaligen Vorurteile geschämt», erinnert sich Campino heute.     

Campino kennt sich in Argentiniens Fußball aus und bekennt sich zum amtierenden Meister Boca Juniors. «Ich bin kurz nach meiner ersten Ankunft in Buenos Aires von einem Boca-Fan in das Stadion mitgenommen worden und wurde bekehrt.» Doch auch beim Erzrivalen River Plate war er zu Gast, die Band trat in deren Stadion «Monumental» vor 100 000 Zuhörer auf. «Das waren unvergessliche Erlebnisse», schwärmt Campino, der demnächst als Mackie Messer in Brechts «Dreigroschenoper» in Berlin auf der Bühne stehen wird.

Einen Argentinier würde Campino noch gerne treffen: Diego Armando Maradona. «Inzwischen liebe ich diesen Mann und denke, das man über ihn keine Witze machen darf. Er ist viel verrückter, widersprüchlicher und menschlicher als diese sauberen Figuren wie Beckenbauer und Pelé.» Er freue sich jedes Mal, wenn er Maradona im Stadion mitfiebern und tanzen sehe. «Ich bin schon Leuten wie Angus Young und Gorbatschow begegnet - aber ein Treffen mit Maradona würde ich ein Leben lang nicht vergessen.»


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