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«M & M» schmeckt die WM: Abwehr-Riesen werden mutig

Berlin (dpa) - 28.06.2006, 12:38 Uhr

Vor Metzelder (M) und Mertesacker geht selbst der Schwede Larsson auf die Knie.
Vor Metzelder (M) und Mertesacker geht selbst der Schwede Larsson auf die Knie.

Ausgerechnet vor der weltmeisterlichen Reife-Prüfung gegen Titelanwärter Argentinien wagt sich die deutsche Abwehr aus der Deckung und geht mutig in die Offensive.

Für den zweimaligen Fußball-Weltmeister ist die viel kritisierte deutsche Hintermannschaft der Schwachpunkt, aber mit dem Selbstvertrauen aus drei Spielen ohne Gegentor fühlen sich Arne Friedrich, Per Mertesacker, Christoph Metzelder und Philipp Lahm für das nächste Vier-Gewinnt-Spiel gerüstet. «Endlich hat das Gelaber aufgehört von der schlechten Abwehr», lobte Mittelfeld-Defensiv-Chef Torsten Frings den stabiler gewordenen Sicherheits-Riegel hinter sich.

Längst ist aus der viel gescholtenen Reihe mit vier einzelnen Defensivakteuren eine Viererkette geworden, die ihre jüngsten Erfolge auf das Miteinander zurückführt. «Freddy Ljungberg musste plötzlich gegen Drei von uns spielen», verriet Mertesacker ein Erfolgsrezept gegen Weltklasse-Angreifer, von denen der Viertelfinal-Gegner vielleicht die meisten aller WM-Teilnehmer hat. Aber nicht nur die Zusammenarbeit hat es in sich, auch Mann gegen Mann werden die deutschen Defensiven dominanter. Mertesacker führt die WM-Liste gewonnener Zweikämpfe mit 81,6 Prozent an, Metzelder liegt mit 70,4 Prozent auf Rang sechs. Der großartig spielende Links-Verteidiger Lahm folgt als Zehnter mit 68,9 Prozent, nur der nach wie vor wackelnde Rechts-Verteidiger Friedrich fehlt in den Top Ten.

Zwar überzeugte die Abwehr schon beim 2:0 gegen Schweden bis auf einige Unsicherheiten wie beim von Metzelder verschuldeten Foulelfmeter. Doch erst nach einem erfolgreichen Auftritt gegen Argentiniens geballte Offensiv-Power mit den Torjägern Crespo und Rodriguez, Saviola, Messi und Tevez sowie dem genialen Regisseur Riquelme wäre die Qualitäts-Prüfung endgültig bestanden. «Wir haben genug Selbstvertrauen getankt, um an dieser Herausforderung zu wachsen», betonte «Verteidigungs-Minister» Metzelder.

An solch eine Wandlung des als Wackel-Abwehr gescholtenen Mannschaftsteils war vor Monaten überhaupt nicht zu denken. Lehrmeister Joachim Löw übte mit den Wissbegierigen unentwegt das Defensiv-ABC, unterbrach das Training immer wieder für grundlegende Anweisungen aus dem Einmaleins des Fußballs. Für unzählige Video- Lerneinheiten mussten die Verteidiger die Taktik-Schulbank drücken, bei der WM bleibt die Glotze immer häufiger aus. «Wir haben jetzt nicht mehr so viel Videositzungen», sagte ein erleichterter Mertesacker.


Beim Confederations Cup vor einem Jahr kassierte die Abwehr in fünf Spielen noch durchschnittlich 2,2 Gegentore. «Das war fast schon Kamikaze, was wir gespielt haben», schimpfte Torhüter Oliver Kahn nach dem von den Fans gefeierten 4:3-Erfolg im Spiel um Platz drei gegen Mexiko. Pünktlich zum WM-Höhepunkt ist die Verteidigung so stabil wie nie zuvor. In vier Begegnungen gab es zwei Gegentore, drei Mal nacheinander stand die Null, vier Mal gab es das unter Klinsmann allerdings noch nicht. «Für uns spricht, dass wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert haben», schilderte der 1,93 Meter große Metzelder.

Der Dortmunder und sein noch drei Zentimeter größerer Innenverteidiger-Partner Mertesacker stehen nun vor einer Herausforderung auf völlig neuer Ebene: Die quirligen und wendigen Offensiv-Zauberer aus Südamerika sind nicht nur gefährlicher als die bisherigen Gegner, sondern auch deutlich kleiner. Tevez (1,68 m), Messi (1,70 m) und Saviola (1,69 m) werden ihr Heil am Boden und nicht im Luftkampf suchen. «Wenn der Saviola eins zu eins auf dich zukommt, wird es schwierig», erklärte Mertesacker. Er baut auf die Zusammenarbeit im Abwehrverbund. «Angst und bange ist mir nicht.»

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