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Afrika denkt an Verschwörungstheorien

Accra/Johannesburg (dpa) - 28.06.2006, 13:00 Uhr

Ein ghanaischer Fan hofft auf einen fairen Schiedsrichter.
Ein ghanaischer Fan hofft auf einen fairen Schiedsrichter.

Das Ende der afrikanischen WM-Träume nach Brasiliens 3:0-Erfolg über Ghana hat auf dem Kontinent für Ernüchterung, Schiedsrichterschelte und auch Verschwörungstheorien gesorgt.

Während sich die Fans in Ghanas Hauptstadt Accra bis spät in die Nacht mit Trillerpfeifen und wehenden Flaggen nicht vom Feiern abhalten ließen, schimpften Anhänger in Johannesburg (Südafrika) über ungerechte Schiedsrichter. «Der Westen» würde dafür sorgen, dass die Unbestechlichen bei Teams aus Afrika besonders gründlich seien, lautete eine beliebte Theorie.

Während Ghanas Zeitungen einstimmig die Leistung des «Black Star»-Nationalteams lobten, sparten sie nicht mit Kritik am slowakischen Schiedsrichter Lubos Michel. Er habe Ghana um den Erfolg gebracht. «Ghana bei der Weltmeisterschaft beraubt», klagte die Schlagzeile der staatlichen «Ghanian Times», während der Leitartikler des «Graphic» unter der Überschrift «Gut gemacht, Stars» ebenfalls die freizügige Verteilung von gelben Karten an die Ghanaer aufs Korn nahm: «Sie gaben ihr Bestes, aber das war nicht genug, um die hinterhältige Amtsausübung von Schiedsrichter Michel und seiner Assistenten auszugleichen.»

«Natürlich haben Ghana-Sympathisanten ihre Entschuldigungen - einige gerechtfertigt, die anderen lachhaft», meinte dagegen der Reporter des südafrikanischen «Star», Matshelane Mamabolo, der Afrikas WM-Traum durch die «Samba-Boys» in einen Alptraum verwandelt sah. So wie er betonten jedoch auch andere den großen Kampfgeist der Ghanaer. «Ich bin enttäuscht, aber gegen Brasilien zu verlieren ist absolut kein Verbrechen. Wir werden wieder kommen«, meinte ein zuversichtlicher Fan in Accra. «Wir sind dabei gewesen und das ist eine Leistung«, brachte es eine Ghanaerin auf den Punkt. «Zumindest haben wir nicht unsere Würde verloren.»

Der westafrikanische WM-Neuling hatte es diesmal als einziger afrikanischer Staat bis ins Achtelfinale geschafft. «Das Fehlen von (Michael) Essien hatte einen großen Effekt. Wenn in einem Spiel wie diesem ein Schlüsselspieler fehlt, hat das Auswirkungen - die Tore gegen uns hätten vermieden werden können», suchte ein anderer Ghanaer eine Erklärung für das Ergebnis. Eine originelle Entschuldigung für Ghanas WM-Aus hatte eine Südafrikanerin, die übernatürliche Kräfte im Spiel sah: «Der Medizinmann war nicht gut genug.»


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