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Auslands-Reporter von WM-Stimmung überrascht

Hannover (dpa) - 28.06.2006, 10:49 Uhr

Die deutschen feuern die DFB-Elf an.
Die deutschen feuern die DFB-Elf an.

Idyllisch grüne Landschaften statt für Ausländer gefährliche Gegenden, fröhliche Fußballfans statt randalierende Hooligans - auf ihrer Fußball-WM-Reise durch Deutschland senden internationale TV-Teams vorwiegend positive Bilder vom Gastgeberland.

Die von Politikern vor der Weltmeisterschaft geäußerten Bedenken, das Ansehen Deutschlands könne durch ausländerfeindliche Übergriffe und mangelnde Sicherheit zum Beispiel bei den Fanfesten leiden, bestätigen sich nicht. «Ein See, Bäume und viel Grün - das ist für uns Deutschland», sagt Jean-Baptiste Brunaud vom französischen Sender «Canal+», der sich vor dem Maschsee in Hannover postiert hat. Im Hintergrund blitzt das WM-Stadion über den Baumwipfeln hervor. Vor dem letzten WM-Achtelfinale Frankreich gegen Spanien konzentrierten sich Brunauds Berichte auf die Stimmung in der Stadt. «Wir filmen gerne in den Innenstädten und zeigen französische Fans», erzählt er.

Das klischeehafte Bild von ernsten und eher steifen Deutschen suchen die Reporter in Zeiten ausgelassener WM-Euphorie vergebens. Die Atmosphäre sei überall sehr locker, sagt Juan Yanez von der spanischen Fernsehagentur «Santa Monica Sports». Die Spanier fühlten sich tatsächlich «zu Gast bei Freunden». «Diese ausgelassene Atmosphäre zeigen wir auch.»

Generell überraschen die Deutschen viele Fernsehteams zur Fußball- WM mit ihrer Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft. Bilder von ausgelassen feiernden Fans vor Großbildleinwänden gehen um die Welt. «Die Deutschen können sehr gut feiern», sagt der spanische Reporter Jordi Grau. Zusammen mit seinem Kameramann erkundet er für den katalanischen Sender «Televisió de Catalunya» das Nachtleben in den WM-Städten. «Die Stimmung ist super», ist sein Fazit.

Einzelnen Vorurteilen wird Deutschland aber doch gerecht. «Es gibt hier manchmal zu viel Organisation und zu viele Regeln. Ausnahmen werden nur sehr ungerne gemacht», sagt der Franzose Brunaud. «Das ist typisch deutsch.» Der polnische Reporter Piotr Stefanski vom Nachrichtensender «TVN 24» kann dieser deutschen Tugend auch Positives abgewinnen. «Die Organisation ist sehr gut und die Polizei hat uns schon viel geholfen», sagt er. Die Meldung über kleine Info-Bücher mit Redewendungen in mehreren Sprachen und Benimm-Regeln für die Polizisten hatten vor der WM noch für ein Schmunzeln gesorgt.


Auch die vielen Veranstaltungen und Feste zur WM haben sich offenbar gelohnt. «Es ist unglaublich, was für ein Riesen-Angebot die Städte zur WM haben», sagt der Spanier Yanez. Die Fanfeste sind nach Angaben vieler TV-Teams beliebte Drehorte. Zwischen den WM-Spielen suchen die Fernsehreporter aber auch interessante Randgeschichten. Beliebt sind Szenen aus historischen Museen, Altstädten, typisch deutschen Manufakturen wie Glasbläsereien oder deutschen Aushängeschildern wie der Frankfurter Börse.

Ein Team vom brasilianischen Sender «Globo TV» drehte bei Frankfurt eine Reportage über die Frauen-Fußballnationalelf und interviewte Spielerin Birgit Prinz. Darüber hinaus suchen viele Reporter Geschichten über Landsleute, die in Deutschland leben. Selbst das Wetter überrascht die ausländischen Journalisten und Fernsehzuschauer. «Alle wundern sich, dass es hier so schwül-heiß ist, das hätte niemand erwartet», sagt der Fernsehreporter Yanez.

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