Dortmunder WM-Polizist vergleicht 1974 und 2006
Dortmund (dpa) - 27.06.2006, 14:47 Uhr
Hauptkommissar Werner Schwarz in Dortmund einen Fanschal.
Frenetischer Jubel hier, ruhige Gelassenheit dort: Während die deutschen Fans beim Spiel Polen gegen Deutschland im Dortmunder WM-Stadion ihren Gefühlen freien Lauf lassen, überwiegt bei Hauptkommissar Werner Schwarz Besonnenheit. Dabei befindet sich der Polizist nicht etwa meilenweit entfernt, sondern ebenfalls im Zentrum der schwarz-rot-goldenen Begeisterung. Der 52-Jährige hat jahrzehntelange Erfahrung mit «großen» Fußballspielen: Schwarz war bereits bei der Weltmeisterschaft 1974 als Polizist in Dortmund im Einsatz. Und bei Bundesligaspielen in der Ruhrmetropole sorgt er seit 17 Jahren für Ruhe und Ordnung. «Ich kenne die Reaktionen der Fans. Für unerfahrene Kollegen sieht eine Bewegung in der Tribüne schnell wie eine Massenschlägerei aus, auch wenn es nur harmloses wildes Gehüpfe ist», erzählt er. Doch so ganz kalt lässt Schwarz das Fußballfest in Deutschland auch nicht. «Das ist ein Highlight, das man nie vergisst, und das man auch gerne mitmacht trotz der vielen vielen Anstrengungen, die dahinter stehen», sagt Schwarz über seine Einsätze bei den beiden Weltmeisterschaften in Deutschland. 1974 war er als Verkehrspolizist für die problemlose An- und Abreise der Fans und Mannschaften zuständig. 32 Jahre später ist er der verantwortliche Hauptkommissar für das Dortmunder Stadion und das nahe gelegene Fan-Camp.
Aber nicht nur die Aufgaben von Schwarz haben sich seit 1974 verändert. «Damals war alles weniger hektisch, beschaulicher», erinnert sich der Polizist. Auch die Euphorie sei seit der letzten WM in Deutschland gewachsen: «Heutzutage ist das intensiver. Die Leute sagen, wir können uns ruhig dazu bekennen, dass wir Schwarz-Rot-Gold sind. So etwas wie Fähnchen an den Autos gab es 1974 nicht», sagt Schwarz. Auch Großbildleinwände auf öffentlichen Plätzen existierten noch nicht. «Damit haben sich unsere Einsatzorte massiv potenziert. Die müssen wir ja jetzt intensiver beobachten als die Stadien selbst», so Schwarz. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Fans habe es zwar schon immer gegeben, aber nicht im heutigen Ausmaß. «Gegenwärtig gibt es organisierte Banden, die kommen einfach nur, um Straftaten zu begehen», berichtet Schwarz, «1974 hat man sich mal die Meinung gesagt auch mit Fäusten aber dann war das erledigt, und man hat wieder gemeinsam ein Bier getrunken.» |