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Klinsmänner zeigen Gauchos die Muskeln

Berlin (dpa) - 27.06.2006, 15:37 Uhr

Lukas Podolski verpasst seiner Technik den letzten Schliff.
Lukas Podolski verpasst seiner Technik den letzten Schliff.

Mit knallhartem Training, mutigen Sprüchen sowie einem Spezialprogramm für die Erfolgsgaranten Michael Ballack und Miroslav Klose macht sich Deutschland bereit für das Superduell mit Argentinien.

Die nach vier WM-Siegen vor Selbstbewusstsein strotzenden Klinsmänner zeigten schon heute den Gauchos die Muskeln. «So stark wie jetzt waren wir in den letzten zwei Jahren nicht. Wir verschwenden keine Sekunde einen Gedanken daran, dass wir ausscheiden», tönte Mittelfeld-Kämpfer Torsten Frings. «Wir sind gut vorbereitet und auch im Kopf bestens präpariert. Jeder weiß, was er tun muss», erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann drei Tage vor dem Viertelfinal-Hit in Berlin.

Nach dem überzeugenden Achtelfinal-Sieg gegen die Schweden und einem Kurzurlaub zog der WM-Projektleiter wieder die Zügel kräftig an und sendete zugleich ein deutliches Zeichen an einen der großen Titelfavoriten. «Wir können noch weiter drauflegen», versprach Klinsmann. Wie das aussehen soll, zeigten seine Spieler auf dem Trainingsplatz. Klinsmann steckte sein Personal symbolisch in rote Muskelshirts, mit viel Biss und Spaß absolvierten 20 der 23 WM- Akteure ein Sprint-, Kraft- und Koordinations-Programm. «Es ist wichtig, dass wir nicht in Selbstzufriedenheit verfallen, deshalb waren die knackigen Einheiten gut», berichtete Abwehrchef Christoph Metzelder.

Seinem Anführer Ballack und Top-Torjäger Klose (4 WM-Tore) hatte Klinsmann ein Spezialprogramm verordnet. Die wohl wichtigsten deutschen Spieler brachten sich ohne Ball in der extra eingerichteten Fitness-Halle beim Tennisclub Blau-Weiß für die bisher schwerste WM- Aufgabe in Schwung. «Beide haben voll trainiert», versicherte Klinsmann-Assistent Joachim Löw. Verletzungen seien nicht der Grund für ihr Fehlen auf dem Hertha-Trainingsplatz gewesen. Ersatz-Torhüter Oliver Kahn musste wegen Übelkeit sowohl das Mannschaftstraining als auch seinen geplanten Auftritt vor der Presse absagen. Für den Nachmittag hatte die sportliche Leitung für das komplette Team nochmals eine Übungseinheit in der nahe dem Schlosshotel gelegenen «Muckibude» angesetzt.

«Das Vorbereitungs-Programm ist speziell auf Argentinien zugeschnitten», verriet Löw, ohne allerdings Einzelheiten zu verraten. Dieses Programm beruht mit auf den Erkenntnissen von Chefscout Urs Siegenthaler, der den Viertelfinal-Gegner in den Vorrundenspielen gegen die Elfenbeinküste (2:1), Serbien-Montenegro (6:0) und die Niederlande (0:0) persönlich beobachtet und analysiert hatte. Der 58-jährige Schweizer strickt nun gemeinsam mit Klinsmann und Löw an der erhofften Erfolgstaktik gegen die starken Südamerikaner. Wer Argentinien besiegt, könne auch Weltmeister werden, sagte Siegenthaler schon vor dem Viertelfinale.


Dass die Argentinier in der Innenverteidigung die Achillesferse des deutschen Teams vermuten, ficht die vermeintlichen Schwächlinge Per Mertesacker und Christoph Metzelder nicht an. «Für uns spricht, dass wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert haben», entgegnete Metzelder der gegnerischen Propaganda mit Hinweis auf schon drei Spiele ohne Gegentor. Und Abwehr-«Latte» Mertesacker betonte vor dem Duell gegen die kleinen, wendigen Offensiv-Zauberer Javier Saviola, Carlos Tevez und Lionel Messi: «Angst und bange ist mir nicht. Wir müssen ihnen unsere Stärken aufschwätzen.»

Im Sommer vergangenen Jahres beim Confederations Cup und vier Monate zuvor in Düsseldorf (je 2:2) hatte das deutsche Team die Argentinier schon zwei Mal an den Rand einer Niederlage gebracht. «Jetzt haben wir mit Ballack, Klose, Lahm und Podolski noch mehr Möglichkeiten», verwies Löw auf vier Spieler, die in beiden Duellen gefehlt hatten. «Fakt ist, wir sind stärker», erklärte Frings, der zusammen mit Ballack die Kreise von Argentiniens Superstar Juan Román Riquelme einschränken soll. Allerdings warnte der Bremer auch davor, «alles an Riquelme festzumachen. Das sind alles Spitzenleute, die ein Spiel entscheiden können», betonte Frings.

Dass die DFB-Elf seit sechs Jahren in 17 Anläufen nicht mehr gegen eine große Fußball-Nation gewinnen konnte, können die deutschen Spieler nicht mehr hören. «Uns interessiert nicht, was in den letzten Jahren war. Freitag sind wir dran», verkündete Chef-Einpeitscher Frings. Auch Klinsmann lässt keinerlei Zweifel aufkommen, dass sein Team in Dortmund das Halbfinale gegen Italien oder die Ukraine bestreiten wird, und bekam Zuspruch von DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder. «Ich traue den Jungs viel zu», sagte der scheidende Verbands-Präsident, der schon jetzt Klinsmanns Kurs bestätigt sieht. «Die Mannschaft hat sich wieder Respekt verschafft in der ganzen Fußball-Welt, das war nicht selbstverständlich. Wenn wir im Viertelfinale ausscheiden, würde ich das nicht als Schande sehen», betonte Mayer-Vorfelder.

Doch auch der 73-jährige DFB-Chef, der die Verantwortung für das Nationalteam im Oktober an seinen Präsidenten-Kollegen Theo Zwanziger abgeben muss, fühlt sich angesteckt vom Klinsmann'schen Optimismus: «Wir sollten nicht vom Verlieren reden, sondern vom Gewinnen.» Mayer- Vorfelder gab sich bei der Live-Pressekonferenz keine Mühe, seine Genugtuung über die Erfolge des Bundestrainers zu verbergen. «MV» hatte den 108-maligen Nationalspieler im Sommer 2004 verpflichtet und immer zu ihm gestanden. «Wenn man die Obergurus gehört hat und liest, was sie heute sagen, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Es gab überhaupt nichts, was nicht umstritten war», hielt der Präsident Medien und Ex-Internationalen vor.

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