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Fall für Zwei: Ballack und Frings fordern Riquelme

27.06.2006, 14:12 Uhr

Torsten Frings (l) und Michael Ballack während eines Vorrundenspiels.
Torsten Frings (l) und Michael Ballack während eines Vorrundenspiels.

Berlin/Herzogenaurach (dpa) - Zwei Männer, ein Job: Kapitän Michael Ballack und sein Adjutant Torsten Frings müssen im WM- Viertelfinale eine Schlüsselaufgabe lösen.

Das ungleiche Duo in der deutschen Mittelfeldzentrale soll den argentinischen Lebensnerv kappen, in dem sie den filigranen Spielmacher Juan Román Riquelme ausschalten. «Wir werden versuchen, beide gegen ihn zu spielen, je nachdem auf wessen Seite er ist», kündigte Frings an.

«Es ist kein Schlüsselduell Riquelme gegen Ballack», betonte Jürgen Klinsmann. Nicht nur aus Sicht des Bundestrainers ist es eher ein Fall für Zwei, auch aus der Sicht von Frings: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich 90 Minuten hinter Riquelme herrennen werde.» Im klassischen 4-4-2-System, das die Deutschen bei der Weltmeisterschaft praktizieren, agieren Frings (rechts) und Ballack (links) in der Mittelfeldzentrale praktisch als zwei Sechser nebeneinander. «Unser Zusammenspiel ist inzwischen fast perfekt, wir verstehen uns blind. Es macht richtig Spaß», erklärte Ballacks Junior-Partner Frings.

Trotzdem ist es auch ein Duell der Köpfe beider Mannschaften, die allerdings vollkommen unterschiedlich agieren: Hier Riquelme, einer der letzten klassischen Zehner, der sich mit einem eher geringen Laufpensum fast nur im offensiven Zentrum bewegt und von dort aus den Rhythmus des argentinischen Spiels dirigiert. Mit 399 Ballkontakten ist er der Spitzenreiter in dieser WM-Statistik, mit seinen zentimetergenauen Pässen und Standards sprengt er die Abwehrreihen und setzt die gefährlichen argentinischen Spitzen ein. Inter Mailand bietet angeblich bereits 18 Millionen Euro für den Regisseur des FC Villarreal, der im Nationalteam allerdings nicht der Wortführer ist. Das ist Kapitän Juan Pablo Sorin.

Anders Ballack: Der 29-Jährige tritt bei seiner zweiten WM als echter Führungsspieler auf und ist damit drauf und dran, sich in die deutsche Kapitäns-Prominenz einzureihen, die von Fritz Walter über Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus bis zu Klinsmann reicht. «Er hat den Moment ergriffen uns zu führen», sagte Bundestrainer Klinsmann vor dem Giganten-Duell mit Argentinien.


Deutschland und die Welt erleben einen gereiften Ballack, der seine Meinung offensiver als jemals zuvor vertritt und die von ihm eingeforderte defensivere Spielweise persönlich umsetzt. Nachdem die deutsche Mannschaft ohne Ballack im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica (4:2) noch erhebliche Abwehrschwächen offenbarte, stand mit ihm schon drei Mal die Null. «Die defensive Disziplin im Mittelfeld ist unglaublich wichtig», sagte Innenverteidiger Christoph Metzelder und machte dafür den Kapitän mitverantwortlich. «Wie er sich da unterordnet ist unglaublich. Er hat ja auch persönliche Ziele.»

Tore schießen ist damit gemeint. Schließlich gilt Ballack als einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler Europas. Die defensivere Rolle kostet ihn seine Strafraumpräsenz, beim 2:0 im Achtelfinale gegen Schweden suchte Ballack beinahe schon verzweifelt sein Glück mit Distanzschüssen. «Ich gehe nicht mehr so oft in den Strafraum, aber ich kriege auch meine Torchancen», meinte Ballack.

Noch bleibt der künftige Chelsea-Star gelassen. «Es sollte halt noch nicht sein. Das ist kein Problem», kommentierte er. Bei der WM 2002 in Asien schlug die große Stunde des Torschützen Ballack nach einem Treffer beim deutschen WM-Rekordsieg gegen Saudi-Arabien (8:0) im Auftaktspiel auch erst in den entscheidenden K.o-Spielen. Beim 1:0 im Viertelfinale gegen die USA erzielte Ballack vor vier Jahren ebenso das goldene Tor wie im Halbfinale gegen Südkorea. «Wir hoffen, dass sich Michael noch etwas aufgehoben hat», meinte Klinsmann.

Auch Riquelme hat bei der WM noch nicht getroffen, drei Torverlagen stehen für ihn zu Buche. Am Freitag müsste der 28-Jährige im Berliner Olympiastadion auch noch ausgerechnet seinen Albtraum überwinden: Denn im deutschen Tor steht Jens Lehmann, an dem er im Champions-League-Halbfinale zwischen Villarreal und Arsenal London in letzter Minute mit einem Elfmeter scheiterte - es bedeutete das Aus.

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