Afrika bedauert Ghanas Aus - Jubel in Brasilien
27.06.2006, 21:22 Uhr
Brasiliens Fans wollen schönen Fußball sehen - aber letztlich zählt nur eines.
Johannesburg/Rio de Janeiro (dpa) - Trauer und Kritik an den Schiedsrichtern in Afrika, weltmeisterlicher Jubel trotz mäßiger Leistung der «Seleção» in Brasilien: Die Reaktionen auf den Kontinenten waren nach dem WM-Achtelfinale Ghana-Brasilien (0:3) denkbar unterschiedlich. In Afrika nahmen die Fußballfans Ghanas Niederlage mit Bedauern zur Kenntnis. «Das bessere Team hat gewonnen, aber Ghana ist eine gute Show gelungen», sagte ein WM-Fan aus dem westafrikanischen Staat. Dort hatten Zehntausende voller Spannung das Spiel des letzten verbleibenden afrikanischen WM-Teams verfolgt. «Mit besserem Losglück wären wir möglicherweise weiter gekommen», so ein anderer Fan mit den Landesfarben Rot-Gelb-Grün im Gesicht. Zudem sei der Schiedsrichter zu streng gegen die Westafrikaner gewesen. In Südafrika, dem Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, betonten Kommentatoren vor allem den Kampfgeist der Ghanaer.
Ghanas Präsident John Agyekum Kufuor schickte dem Nationalteam ein anerkennendes Telegramm. Wörtlich heißt es darin: «Als Debütanten war eure Aufgabe beim Spiel gegen den fünfmaligen Weltmeister enorm, aber ihr habt solch einmaligen Mut und Brillanz gezeigt, dass ihr zweifellos zu Siegern in der Niederlage wurdet.» Das Team habe die Flagge Afrikas mit Würde hoch gehalten. Das Schreiben schließt mit den Worten: «Ihr seid unsere Helden, und wir lieben euch alle.» Trotz des glanzlosen Sieges waren sofort nach dem Abpfiff in ganz Rio de Janeiro Böller, Jubelgesänge und Samba-Musik zu hören. «Nur noch drei Stufen bis zum sechsten WM-Titel», schrie eine Rentnerin auf der Traditions-Fanmeile Alzira Brandao im Norden der Stadt. Die Medien kritisierten zwar den «Bürokraten-Fußball» der «Seleção», hoben aber auch die Abgeklärtheit der Brasilianer hervor. Tausende von Würzburgern verfolgten mit großer Enttäuschung das WM-Aus ihrer Gastmannschaft Ghana. Allein bei einer Übertragung des Spiels in den alten Posthallen am Hauptbahnhof fieberten nach Polizeiangaben rund 1500 Fußballbegeisterte mit der afrikanischen Mannschaft, die in der Domstadt ihr WM-Quartier aufgeschlagen hatte.
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