Wenn Argentiniens Nationalmannschaft im fernen Deutschland um WM-Ehren kickt, steht in der heimischen Pampa alles still. Auch in der Millionen-Metropole Buenos Aires liegen die Straßen so ausgestorben da, als sei gerade eine Ausgangssperre verhängt worden.
Die Spiele fallen wegen der Zeitverschiebung von fünf Stunden immer mitten in die Arbeitszeit - und da muss die Arbeit eben warten. Beim nationalen Wetterdienst, der zur Luftwaffe gehört, zogen die Oberen vorsorglich die Notbremse. In einem «Tagesbefehl» verboten sie den 2000 Mitarbeitern strikt «jede Aktivität zwei Stunden vor den Spielen, während der Spiele und zwei Stunden nach den Spielen». Gearbeitet hätte auch ohne diesen «Befehl» niemand, aber so hat jedenfalls «alles seine Ordnung», erzählt ein Mitarbeiter lachend.
Den 40-Zoll-Flachbildschirm in der Wetterzentrale in Buenos Aires, auf dem normalerweise die Wetterkarte fürs Fernsehen dargestellt wird, montierten Techniker kurzerhand ab und stellten ihn für die WM-Übertragungen in der Kantine auf. Der Wetterbericht interessiert ohnehin während der WM nur bedingt. Auch in den Schulen wurden Fernseher aufgestellt, damit die lieben Kleinen an Spieltagen nicht gleich alle wegen «allgemeinen Unwohlseins» die Schule schwänzten. Einbrüche werden während der Übertragungen von der Polizei so gut wie gar nicht registriert.