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FIFA-Sprachrohr Siegler «geht nicht in die Falle»

Berlin (dpa) - 27.06.2006, 10:55 Uhr

Der FIFA-Mediendirektor Markus Siegler.
Der FIFA-Mediendirektor Markus Siegler.

Ob krasse Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, mangelhafter Rasen in den Stadien, Leerstellen auf den Zuschauertribünen, schlechte Tickets für die Angehörigen der deutschen Nationalelf - die FIFA ist der erste Adressat aller Klagen bei dieser Weltmeisterschaft.

«Wir sind für alles verantwortlich, nur nicht für das Wetter», sagt Mediendirektor Markus Siegler. Bei den täglichen Pressekonferenzen um 11.00 Uhr im Berliner Olympiastadion versorgt er die Weltpresse mit Informationen.

Seit dem 9. Juli 2002 ist der 48 Jahre alte Schweizer die «Stimme der FIFA», gut ein Jahr vorher hat ihn Weltverbands-Präsident Joseph Blatter in seinen Stab geholt. Damals stand dessen Wiederwahl in der durch Machtkämpfe und Korruptionsvorwürfe zerrissenen FIFA auf der Kippe. «Ich habe es trotzdem gemacht und zu ihm gesagt: 'Wir fliegen oder wir fallen zusammen'», berichtet Siegler, der seinem Boss «für den richtigen Mann an der richtigen Stelle» hält.

Blatter wurde beim Kongress 2002 zwar im Amt bestätigt, der Ruf der FIFA und seines Chefs ist bis heute aber nicht überall auf der Welt der Beste. Korruption, Betrügereien, Überkommerzialisierung oder zügelloses Machtstreben sind Etiketten, die der FIFA wie Pech und Schwefel anhaften. «Es gibt gewisse Länder, wo die FIFA ein Imageproblem hat», sagt Siegler, «doch im Verhältnis zur Gesamtheit der 207 Mitgliedsländer ist diese Zahl klein.»

Siegler und seine Mitarbeiter versuchen dem mit einer seriösen, fundierten und offensiven Medienarbeit zu begegnen. Nicht immer mit Erfolg. So wurde vor der WM das Gerücht, Blatter wolle in jedem der zwölf WM-Stadien in einem Sessel auf Höhe der Mittellinie sitzen, in deutschen Medien wie ein Fakt gehandelt. «Dass hat mich unglaublich geärgert, da war nie etwas dran», so Siegler.


Allerdings weiß der frühere, in der Nähe von Basel aufgewachsene Amateurfußballer («Ich habe mich von der Abwehr bis in den Sturm vorgekämpft»), dass in Deutschland vor der WM gelegentlich aus Mücken Elefanten gemacht wurden: «Im Ausrichterland wird vier Jahre kein ernsthafter Ball gespielt. Da wird schnell was zum Hype.»

Zum Star vor einem Multi-Millionen-Publikum wurde der frühere Radio- und Agenturjournalist bei der WM-Auslosung am 9. Dezember in Leipzig. Dort übernahm er den Part, das technische Procedere des Loseziehens und -zuordnens zu erklären und durchzuführen. Der smarte Eidgenosse machte das mit Eleganz. «Ich war nicht hibbelig, doch wenn ich einen Fehler gemacht hätte, hätte alles wiederholt werden müssen», sagt Siegler. «Ich habe mich gefreut, dass es ganz anständig war.»

Mit Souveränitat reagiert der fünf Sprachen beherrschende FIFA-Sprecher auch bei der WM auf Fragen und Anfragen aller Art und lässt sich dabei nicht aufs Glatteis locken. «In die Falle gehe ich nicht» oder «Diese Frage wollen Sie doch nicht ernsthaft stellen?», begegnet er Journalisten, die ihn in eine Richtung drängen wollen. Zurückhaltung übt er bei sportpolitischen Auskünften. «Das ist Sache des Präsidenten. Im Zweifel rufe ich ihn an», so Siegler. Die WM sieht er als Chance, mit offener Medienarbeit Vorurteile gegen die FIFA abzubauen: «Es wäre schon, wenn es etwas helfen würde».

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