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«Portugal Campeão!»: Ein Land feiert seine Helden

Lissabon (dpa) - 26.06.2006, 13:01 Uhr

Die Bevölkerung Lissabons feiert den Sieg über die Niederlande.
Die Bevölkerung Lissabons feiert den Sieg über die Niederlande.

Während des Spiels glich Lissabon einer Geisterstadt. «Ist das hier am Wochenende hier immer so?», fragte ein deutsches Paar verblüfft. «Nein, nein», klärte es einer der wenigen Passanten auf.

«Alle schauen Fußball, und falls wir gewinnen, wird es hier später ganz anders aussehen.» Der Mann sollte Recht behalten: Mit dem Schlusspfiff in Nürnberg brach in Portugals Hauptstadt, wie auch überall sonst in dem Land, ein Freudenfest aus. Wohl zum Leidwesen der beiden Deutschen, waren sie doch vor dem WM-Trubel in der Heimat ins Ausland geflüchtet.

Auf der Avenida da Liberdade, bekannt als Lissabons Champs- Elysées, ging bald nichts mehr. Tausende Menschen strömten mit Portugal-Fahnen auf die Straßen und da, wo der Verkehr nicht zusammenbrach, feierten Autofahrer den 1:0-Sieg ihrer Nationalelf über die Niederländer mit ohrenbetäubenden Hupkonzerten. «Por-tu-gal, Cam-pe-ão!» (Portugal Weltmeister), skandierten auch die Fans, die den Platz des Marquês de Pombal in Beschlag nahmen. «Die Engländer kaufen wir uns jetzt auch noch», rief ein junger Mann begeistert.

Großen Jubel gab es auch in der Kneipe «Bar Novo» in Funchal auf Madeira, wo die Fans prompt die Nationalhymne einstimmten. In der Inselhauptstadt wurde Stürmerstar Cristiano Ronaldo geboren, das Lokal unweit seines Elternhauses gehörte einst seiner Schwester Cátia, inzwischen besser bekannt als «Ronalda». Mit Tränen in den Augen kommentierte eine junge Frau jedoch die Verletzung des 21-Jährigen. «Das war Absicht, die Holländer wollten ihn außer Gefecht setzen», empörte sie sich.

Dass die Partie äußerst rüde verlief, war für die meisten Portugiesen jedoch Nebensache angesichts des «heldenhaften Sieges». Schließlich hat sich das kleine Land am Rande Europas erstmals seit 40 Jahren wieder für ein WM-Viertelfinale qualifiziert. Trainer Luiz Felipe Scolari, der schon jetzt ein Platz in der Fußballgeschichte des Landes sicher hat, ist durchaus mehr zuzutrauen, meinte die Presse am Montag. Selbst wenn die gesperrten Deco und Costinha gegen England schmerzlich vermisst werden dürften. «Aber dieser Brasilianer wird von einem Siegerstern geleitet und wird es schon richten», schrieb die «Diário de Notícias» voller Zuversicht.


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