Kahn: Klinsmann hat mir nie eine Erklärung gegeben
Berlin (dpa) - 25.06.2006, 14:38 Uhr
Auch gegen Schweden durfte Oliver Kahn (r) nur zuschauen.
Oliver Kahn hat in einem Interview seine schwierige Position als Ersatztorhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beschrieben und dabei auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann kritisiert. «Auf der einen Seite versuche ich immer zu tun, was für die Mannschaft nötig ist, weil ich mich selbst zurücknehmen kann. Auf der anderen Seite habe ich ihm deutlich gesagt, dass ich das nie nachvollziehen und verstehen werde, warum ich nicht mehr die Nummer eins bin», sagte Kahn in der neuesten Ausgabe des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Es habe «nie eine Erklärung» für die Zurückversetzung gegeben. «Es gab nur die Aussage: Wir machen das jetzt mal mit Jens Lehmann, der Jens ist die Nummer eins bei der WM. Man sprach von einem 'Tick', den er besser sein solle. Entschuldigung, aber wechselt man die langjährige Nummer eins aus, wenn diese konstant spielt, wenn ein anderer einen 'Tick' besser sein soll? Das ist für mich keine Begründung», sagte der 37 Jahre alte Torhüter von Bayern München.
Kahn führte als Gegenbeispiele zu Klinsmanns Entscheidung die bei der WM als Nummer 1 aufgebotenen Fabien Barthez (Frankreich), Edwin van der Sar (Niederlande) und Gianluigi Buffon (Italien) an. «Wo ist da der Unterschied? Ich habe zwei Jahre auf höchstem Niveau gespielt. Meine Champions-League-Spiele gut gemacht, bin zwei Mal deutscher Meister und Pokalsieger geworden und habe eine riesige Turnier-Erfahrung. Es gab eigentlich keinen Grund, die Nummer eins abzusetzen.» Er habe dafür «normalerweise schon eine fundierte Erklärung erwartet. Aber da sie bis heute ausgeblieben ist, gibt es wahrscheinlich keine», behauptet Kahn, der die bisherigen vier WM-Spiele des deutschen Teams von der Reservebank aus verfolgen musste. Diese Rolle sei für ihn «nicht angenehm. Der Weg zur Bank war jedes Mal ein schwerer Gang. Ich beobachte das Spiel, versuche mir über das Sportliche ein Bild zu machen und verschwinde hinterher so schnell wie möglich in die Kabine». Dies empfinde er nicht als Strafe, aber es sei «unverständlich». Doch er wolle nicht derjenige sein, «der sich griesgrämig in sein Zimmer verkriecht. Ich wollte, dass die Mitspieler von meiner Rolle profitieren können».
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