Tausende Argentinier feiern Viertelfinal-Einzug
Buenos Aires (dpa) - 25.06.2006, 09:49 Uhr
In der Innenstadt von Buenos Aires gab es nach Argentiniens Sieg kein Halten.
120 lange Minuten hatte die Millionen- Metropole Buenos Aires beim Spiel Argentinien-Mexiko wie ausgestorben dagelegen. Dann kam im fernen Leipzig endlich der ersehnte Schlusspfiff zum 2:1-Sieg. Zehntausende Argentinier stürmten auf Straßen und Plätze, feierten ihre Mannschaft und den Einzug ins WM-Viertelfinale gegen Deutschland. Autokorsos, Hupkonzerte, Feuerwerk, Tröten und Schlachtengesänge verwandelten das Zentrum von Buenos Aires trotz strömenden Regens in einen Hexenkessel. Auch in den meisten anderen größeren und kleineren Städten des Landes tanzten und jubelten Menschen bis tief in die Nacht auf den Straßen. «Der Erlösungsschrei war in ganz Deutschland zu hören», schrieb die Zeitung «La Nacion», die im WM-Gastgeber einen weiteren schweren Gegner sieht. «Heimvorteil und Schlagkraft, das sind die Waffen der Mannschaft Klinsmanns. Aber für uns bedeutet dieses Spiel einen Motivationsschub, mit dem sie erst mal fertig werden sollen.» Argentinien habe nicht an die vorangegangenen Spiele erinnert, aber Opferbereitschaft und Kampfgeist gezeigt, betonte «Clarin». «Die Mannschaft hatte dieses heilige Feuer, mit dem man den Gegner und sich selbst überwinden kann. Doppelt verdient gewonnen.»
«Das war echt nervenaufreibend, wir hätten das zweite Tor ruhig ein bisschen früher schießen können», sagt Carlos, der sich mit seinem vierjährigen Sohn Tomás am Obelisken in Buenos Aires einen Weg durch die jubelnden Massen bahnt. Gegen Deutschland könne die Mannschaft von Pekerman auch gewinnen, obwohl «die Deutschen schon verdammt gut spielen», sagt er mit leicht sorgenvoller Miene. Am meisten fürchten die Argentinier der Heimvorteil der Deutschen. Auch Monika Baecker aus Kassel, die in Buenos Aires lebt, will Argentinien anfeuern. «Wenn ich hier lebe, muss ich ja auch für Argentinien sein», sagt die junge Frau lachend. Valentin aus München und Cornelius aus Trier, zwei Gaststudenten, sehen das anders. «Wir waren für Mexiko, weil es Deutschland dann leichter gehabt hätte», sagt Valentin, der sogar eine deutsche Flagge dabei hat. Sie haben sich das Spiel in der deutschen Kneipe «Untertürkheim» angesehen: «Da waren acht Deutsche unter sich». Zum Spiel Deutschland-Argentinien wollen sie dann aber ins Goethe-Institut. |
Bei den Argentiniern aber machte der schwer errungene Sieg gegen Mexiko nur Appetit auf mehr. «Argentinien Weltmeister», mit weniger wollen sich die meisten nun nicht mehr zufrieden geben. «Klar werden wir gegen Deutschland gewinnen», ist sich Cecilia sicher. Sogar ihrem schwarzen Cockerspaniel Baltazar hat sie schon ein blau-weißes Nationaltrikot übergezogen. Auch Javier sieht sein Land nun auf der Siegerstraße. Argentinien werde es mit Deutschland einfacher haben als mit Mexiko. «Deutschland will gewinnen und spielt deshalb auf Angriff. Damit können wir besser umgehen», meint er. Der Rest der Fußball-Weisheiten geht im ohrenbetäubenden Lärm der Hupen, Knallfrösche und Jubelrufe unter.
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