Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger kommen heim - und wollen im eigenen Wohnzimmer wirbeln. Nach Costa Rica, Polen und Ecuador möchten die bayerischen Burschen in München nun die schwedische Defensive aufmischen.
«München ist für mich eine schöne Sache. Wir fühlen uns hier einfach zu Hause», sagte Lahm, der auf links mit Schweinsteiger die Sahneseite der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bildet. Mit dem spitzbübischen Lächeln eines Michel aus Lönneberga traten die beiden einen Tag vor dem Spiel gegen die Schweden in Berlin auf. Die Vorfreude auf das erste K.o.-Duell war den WM-Debütanten deutlich anzumerken. Vor den Skandinaviern haben die zwei Unbekümmerten keine Angst, vor der erwarteten Hitzeschlacht erst recht nicht. «Wir sind ja zwei südländische Typen, da macht das kein Problem», witzelte der 21 Jahre alte Schweinsteiger, der wie Lahm in den vergangenen Tagen als Ticket-Geber gefragt war. «Ich hätte sicher ein paar tausend Karten loskriegen können», meinte der 22-jährige Lahm, der wenigstens für Eltern, Großeltern, Schwester und Freundin Tickets bekam.
Der gebürtige Münchner Lahm und der im bayerischen Kolbermoor auf die Welt gekommene Schweinsteiger sind zwei Parade-Beispiele für die von Bundestrainer Jürgen Klinsmann geförderte Fußball-Generation. Beide lieben das Risiko nach vorne, beide sind Instinkt-Fußballer, beide genossen die uneingeschränkte Rückendeckung ihres Chefs. Klinsmann plante trotz zum Teil langer Verletzungspausen immer mit Lahm. An Schweinsteiger hielt der Bundestrainer fest, obwohl dieser beim FC Bayern oft nur zweite Wahl war. Sie zahlen es ihrem Trainer mit zum Teil brillanten WM-Auftritten zurück und sind durch dessen Aussagen, ein Aus vor dem Halbfinale sei eine Katastrophe, «zusätzlich motiviert» (Lahm).
Auch die Zahlen sprechen für die beiden hochtalentierten Profis, die hervorragend miteinander harmonieren. Mit 15 Torschuss- und 3 Torvorlagen hält Kreativ-Kicker Schweinsteiger, der sich immer besser in das taktische Konzept eingliedert, die Rekordmarke im deutschen WM-Team. Vorzeige-Stratege Lahm hat die meisten Ballkontakte (239) im Team und brachte die meisten Flanken (12) vor das gegnerische Tor. Beim Training am Donnerstag konnte er erstmals seine Armschiene abnehmen, beim Spiel zu Hause wird er vor den Augen der besorgten Mama das Gelenk aber nochmals damit schützen.