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Australien im siebten Fußball-Himmel

Sydney (dpa) - 23.06.2006, 13:35 Uhr

Auch in Deutschland feierten die australischen Fans den Sieg ihrer Mannschaft.
Auch in Deutschland feierten die australischen Fans den Sieg ihrer Mannschaft.

Die Australier mussten früh aufstehen, sie mussten lange um ihre Mannschaft zittern, aber dann durften sie umso ausgelassener jubeln. Mit dem 2:2 gegen Kroatien waren die «Socceroos» erstmals bei einer Fußball-WM in die zweite Runde eingezogen.

Sogar Premierminister John Howard, wie die meisten seiner Landsleute bislang eher an Rugby oder Cricket interessiert, war plötzlich zum Fußballfan geworden. «Es war fantastisch, wie sich unsere Jungs gegen die drohende Niederlage gestemmt haben», schwärmte der Regierungschef. Dem Schützen des späten Ausgleichtreffers verlieh er spontan einen Ehrentitel: «Harry Kewell ist für uns jetzt nur noch König Harry.» Nach Schätzungen waren mehr als 3 Millionen der insgesamt 20 Millionen Australier um 5.00 Uhr früh aufgestanden, um die Live- Übertragung mitzuerleben. In Melbourne versammelten sich trotz Kälte - in Australien ist derzeit Winter - 15 000 Fans vor Großleinwänden.

«Dies ist der schönste Tag meines Lebens», freute sich Chris Kennett, ein Fan in Sydney. Die Zeitung «The Daily Telegraph» gab sogar ein Sonderblatt heraus. «YES», stand in großen Lettern auf dem Titel. Wegen der frühen Stunde wurde bei den Feiern praktisch kein Alkohol konsumiert. Die meisten Fans mussten nach dem Abpfiff zur Arbeit gehen. Einige Firmen berichteten gar, dass ihre Angestellten wegen der frühen Fußballübertragung noch vor Dienstbeginn an ihren Arbeitsplätzen erschienen.

Fußballfan Stephen Kenesovic war besonders hin- und hergerissen, denn seine Mutter stammt aus Kroatien: «Ich habe während der Partie so gezittert, dass ich mich nicht rasieren konnte.» Fußball war in Australien bislang vor allem der Sport von Einwanderern aus Europa gewesen, die in letzter Zeit ins Land gekommen waren. Die Alteingesessenen spielen lieber Rugby oder Cricket. Der überraschende WM-Erfolg des Teams von Trainer Guus Hiddink sorgte dafür, dass der Fußball nun zu einer ernsthaften Konkurrenz wird.

Der Premier rief unmittelbar nach dem Abpfiff in Stuttgart den Chef des Fußballverbandes, John O'Neill, an und gratulierte: «Dies war eine der größten Leistungen, die ich jemals von einer australischen Sportmannschaft gesehen habe.» Der Erfolg der «Socceroos» hatte zugleich zur Folge, dass Immigranten sich stärker als bisher mit der neuen Heimat identifizieren. «Jetzt fühle ich mich sogar ein wenig als Patriot», sagte der aus Italien stammende Donnie Cabalo in Sydney. Die Achtelfinalpartie Italien gegen Australien bringt den 23-Jährigen allerdings in die Klemme: «Dann halte ich zu beiden Mannschaften.»


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