Rheinischer Präses: Gebete für National-Elf erlaubt
Düsseldorf (dpa) - 23.06.2006, 10:12 Uhr
Nikolaus Schneider war selbst jahrelang Torwart seines Duisburger Heimat-Vereins.
Christen dürfen nach Ansicht des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, durchaus auch für den WM-Erfolg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beten. «Alle Bitten von uns Menschen haben ihren Platz bei Gott», sagte der protestantische Theologe im Gespräch mit der dpa. «Deshalb dürfen wir ihn auch um einen Sieg von Ballack, Lehmann, Schweini und Co. bitten», betonte der oberste Vertreter der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Schneider war selbst jahrelang Torwart seines Duisburger Heimat-Vereins. Mit dem Fußball-Gebet sei es aber «wie mit unseren anderen großen und kleinen Anliegen auch», schränkte Schneider ein: «Gott hört sie, aber das heißt nicht, dass er sie auch genau so erfüllt». Sonst hätte «unser Bitten bei Gott ja etwas Magisches: Man muss nur ordentlich beten, dann erfüllt sich unser Wunsch im Handumdrehen». Der Präses: «Gott ist nicht unsere WM-Wunschkiste».
Zudem käme Gott ja dann auch in «Gewissenskonflikte», wenn der eine Gläubige ihn um den Erfolg der Klinsmann-Kicker bitte und jemand anders für ein anderes Team bete. Schneider: «Da geriete Gott ganz schön zwischen die Fanblocks!» Deshalb sei es gut, wenn Gott nach seinen eigenen Maßstäben «und nicht nach unserem Wollen und Wünschen gibt», erklärte der Präses: «Da ist er so unbestechlich, wie es die Schiedsrichter sein sollten.» Gott wisse, was den Menschen gut tut: «Wer weiß, vielleicht schlägt Gottes Fußball-Herz ja für die Verlierer bei dieser WM?» Er selbst hoffe, «dass das deutsche Team hinten besser stehen wird als bisher», betonte der Theologe: «Aber bevor ich Gott um bessere Verteidiger im deutschen Trikot bitte, hoffe ich eher auf den Trainingsfleiß unserer Jungs». Dann wäre Zeit dafür gewonnen, Gott darum zu bitten, «dass uns die Fröhlichkeit der WM noch eine ganze Weile erhalten bleibt».
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