Johannesburg (dpa) - 23.06.2006, 09:07 Uhr
Nach dem illegalen Verkauf von WM-Tickets ist der Ehrenpräsident von Botswanas Fußballverband Ismail Bhamjee mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.
Das aus Südafrika stammende FIFA-Exekutivmitglied wird in seiner Heimat in Leserbriefen als «Schande für Afrikas Fußball-Fan-Gemeinde» beschimpft. «Hau ab, Mr. Bhamjee!», meinte die Zeitung Sowetan« in einem Kommentar. Sie warf ihm vor, Afrikas Vertrauen missbraucht zu und als «Ticket-Verhökerer» aus Gier seine Würde riskiert zu haben.
Der 64-Jährige war am 20. Juni nach Botswana zurückgekehrt. Bhamjee hatte zugegeben, WM-Karten zum dreifachen Preis veräußert zu haben. Für die Partie England-Trinidad-und-Tobago verkaufte er 12 Karten zum Stückpreis von 300 statt 100 Euro.
In einer Erklärung gab er einen «Einschätzungsfehler» zu. «Ich hatte während des Verkaufsprozesses stets den Eindruck, dass ich einigen unglücklichen Fans helfen würde, die verzweifelt versuchten, ihr Land bei der WM spielen zu sehen.» Er habe nicht gewusst, dass die ihm in einem Frankfurter Restaurant gegenüber sitzenden Fans britische Journalisten waren.
Bhamjee hatte die Tickets aus dem ihm von der FIFA zugestandenen Kontingent verkauft. Der Vorsitzende der Konföderation der Fußballverbände im Südlichen Afrika (COSAFA) war nach Bekanntwerden des Vorfalls von der FIFA zum Verlassen der WM in Deutschland aufgefordert worden.
Die Medien des Kap-Staates sehen aber keinen schnellen Rücktritt Bhamjees voraus. «Ismail Bhamjees Tage im Fußball mögen gezählt sein, doch er wird nichts überstürzen - er wird geschubst werden müssen«, meinte die Zeitung «The Star». Der Imageschaden für den Veranstalter der WM 2010 bleibt in jedem Fall.