Kein Ansturm auf Bordelle zur WM
Hannover (dpa) - 23.06.2006, 08:52 Uhr
Der Raum mit Fußballmotiven findet nach Angaben des Geschäftsführers Zuspruch.
Mit bunter Fußball-Bettwäsche, knappen Dessous im Trikot-Look und unzähligen Nationalflaggen haben sich Bordelle in Deutschland auf die WM-Euphorie eingestellt. Doch obwohl Millionen Fans in den WM-Austragungsstädten feiern - ein Ansturm auf die Freudenhäuser blieb vielerorts aus. Die Fahnder kontrollieren derzeit verstärkt Bordelle in den Rotlichtvierteln, die auf Plakaten mit dem Spruch «Die Welt zu Gast bei Freundinnen» werben. «Es sind nicht signifikant mehr Prostituierte anzutreffen als sonst. Es besteht keinerlei Anlass zur Dramatik», sagt der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes in Hannover, Thomas Rochell. Hinweise auf einen Anstieg der Zwangsprostitution, wie er vor der Fußball-WM teils erwartet worden war, hat die Polizei nicht. Frauenorganisationen werten ihre Aktionen gegen illegale sexuelle Ausbeutung aber als Erfolg - schon allein weil die Öffentlichkeit verstärkt auf das Problem der Zwangsprostitution aufmerksam geworden ist.
In Frankfurt am Main etwa schrieb ein Taxifahrer an die Evangelische Frauenarbeit in Deutschland, er werde Infomaterial dezent in seinem Wagen auslegen, da er zur WM wahrscheinlich auch Freier und Prostituierte fahren werde. Der Deutsche Frauenrat hat bisher 45 000 Unterschriften gegen Zwangsprostitution gesammelt, die nach der parlamentarischen Sommerpause an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben werden sollen. Gute Resonanz spürt auch die Hotline der Frankfurter Beratungsstelle «Frauenrecht ist Menschenrecht» (FIM), die in einer Woche rund 100 Anrufe bekam. Die Wirte auf dem Kiez in Hamburg profitieren zwar von den ausgelassen feiernden Fußball-Fans. Viele der rund 2500 Hamburger Prostituierten hatten in der ersten WM-Woche aber wenig zu tun. «Das läuft ganz müde, leider. Noch müder als sonst», sagt Sabine Strauß. Sie betreibt eine Internetseite, auf der dutzende Frauen ihre Dienste anbieten. Wegen Zwangsprostitution und Menschenhandels stehen derzeit Mitglieder einer Zuhältergruppe in Hamburg vor Gericht. Sie sollen jahrelang fast 200 Prostituierte wirtschaftlich ausgebeutet haben. |