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Klinsmann fordert vierten Sieg

Berlin (dpa) - 22.06.2006, 15:33 Uhr

Bundestrainer Jürgen Klinsmann (l) und Kapitän Michael Ballack in der Vorbereitung.
Bundestrainer Jürgen Klinsmann (l) und Kapitän Michael Ballack in der Vorbereitung.

Die Anspannung im deutschen Lager steigt stündlich - und Jürgen Klinsmann erhöht vor dem ersten K.o.-Spiel sogar noch den Druck. Nach dem souveränen und umjubelten Durchmarsch ins Achtelfinale fordert der Bundestrainer jetzt mehr von seinem Team.

«Wir dürfen nicht ausscheiden, wir sind eine Fußball-Nation. Da ist schon das Ausscheiden im Viertelfinale eine Katastrophe», erklärte Klinsmann überraschend zwei Tage vor der Feuerprobe in München gegen Schweden. Der 41-Jährige weiß nur zu genau, dass bei aller nationalen Hysterie und des Zuspruchs für den neuen Fußball-Stil das erstmalige WM-Ausscheiden einer deutschen Nationalmannschaft schon im Achtelfinale ein persönliches Scheitern seiner mutigen Weltmeisterschafts-Mission bedeuten würde.

Doch über ein mögliches böses Erwachen aus dem WM-Rausch wollte Klinsmann gar nicht reden: «Daran verschwende ich keinen Gedanken, das verdränge ich.» Vielmehr forderte er von seinem Personal, das in der Vorrunde viel Selbstbewusstsein getankt hatte, vollste Konzentration und vor allem eine weitere Steigerung in allen Bereichen. «Wir hatten es bisher noch nicht zu tun mit Kalibern wie Larsson, Ibrahimovic und Ljungberg. Da müssen wir unglaublich auf der Hut sein», warnte der Chef seine Spieler vor den Skandinaviern, die bei ihrem Gruppenfinale gegen England (2:2) mit starken Standards, Robustheit und großer körperlicher Fitness beeindruckt hatten.

«Wir müssen alles verfeinern, was wir vorher im Groben gemacht haben», betonte Klinsmann, der nach kurzem Durchschnaufen seiner Stammkräfte jede Vorbereitungsminute vor der Alles-oder-nichts-Partie präzise einteilte. Die Spieler bekamen einen persönlichen Plan: Wann sind die Trainigseinheiten? Wann die Video-Analysen? Wann die medizinischen Behandlungen? Die Gruppen-Phase ist längst abgehakt, «dafür können wir uns nichts mehr kaufen», erklärte Kapitän Michael Ballack und sensibilisierte seine teilweise international noch wenig erfahrenen Mitspieler: «Es geht jetzt ans Eingemachte, jeder Fehler kann das Aus bedeuten. Das sollte uns aber nicht hemmen, sondern anspornen.»

Der «hervorragende Frontmann» Klinsmann, wie Assistent Joachim Löw seinen Chef bezeichnete, hat in seinem Masterplan nicht nur ein intensives Gegner-Studium integriert, sondern auch die verschiedensten Szenarien für die Partie gegen Schweden theoretisch durchgespielt. «Wir haben immer einen Handlungsplan, was passiert, wenn...», versicherte Löw. Ob ein Rückstand, ein Platzverweis oder eine Verlängerung - Klinsmann hat schon Lösungen im Kopf. Der Bundestrainer und sein Stab sind sich nach den Erfahrungen der Vorrunde sicher, dass Deutschlands Hoffnungsträger auch gegen stärkere Gegner als Costa Rica, Polen oder Ecuador bestehen können. «Von Angst kann nach drei Siegen in Folge keine Rede sein», betonte Löw.


Allerdings wird mit dem Quartierwechsel von Berlin nach München die Anspannung nochmals ein neues Level erreichen. «Jetzt kommt der Zeitpunkt, an dem der Druck steigt», sagte Torwart Jens Lehmann. Zugleich aber strich der 36-jährige Wahl- Londoner die Entwicklung des eigenen Teams heraus: «Wir spielen ein gutes System mit Ordnung, da sind wir schwer zu schlagen.»

Die Startelf, in die wieder Christoph Metzelder für Robert Huth zurückkehrt, ist inzwischen eingespielt. Körperlich sind alle Spieler auf einem Top-Niveau. «Die Spieler haben den Glauben, dass sie ein hohes Tempo permanent mitgehen können, sei es 90 oder 120 Minuten», erklärte Klinsmann. «Das ist kein Zufall, sondern das Produkt einer harten Arbeit», wies Löw darauf hin, dass alle Maßnahmen der sportlichen Leitung, die in den vergangenen Monaten teilweise heftig kritisiert worden waren, bisher die gewünschten Wirkungen gebracht haben. Auch die Begeisterung im Land über die neue Nationalelf zeige, «dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben».

Kleinigkeiten, glaubt Klinsmann, werden die K.o.-Spiele entscheiden. Entsprechend werden die Spieler vorbereitet: Am Donnerstag sahen sie eine DVD, die ihnen «das Land Schweden, die Mentalität und den Stellenwert des Fußballs» nahe bringen sollte. Visuelle Einzelprofile der fünf, sechs wichtigsten schwedischen Spieler, die am Tag vor dem Spiel von Chefscout Urs Siegenthaler präsentiert werden, verraten alles über Stärken und Schwächen des Achtelfinal-Kontrahenten. «Und am Spieltag ist es wichtig, die Emotionen zu wecken», betonte Klinsmann-Assistent Löw.

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