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Notizen von der Fußball-WM

22.06.2006, 15:39 Uhr

Jens Lehmann beantwortet auf einer Pressekonferrenz die Fragen der Journalisten.
Jens Lehmann beantwortet auf einer Pressekonferrenz die Fragen der Journalisten.

TORWARTKLAU: Mit Hilfe von Videoaufzeichnungen will die WM-Stadt Kaiserslautern dem Dieb einer lebensgroßen Jens-Lehmann-Figur auf die Schliche kommen.

Das auf einer Holzplatte angebrachte Bild des deutschen Nationaltorwarts hatte an einem Wegweiser im Zentrum gehangen und war in der Nacht von einem Unbekannten gestohlen worden. Eine in der Nähe des «Tatortes» montierte Überwachsungskamera habe festgehalten, dass die erste Figur in der Nacht zum Mittwoch zunächst von einem Mann abgehängt worden sei, teilte das WM-Büro mit. Fans aus Trinidad und Tobago hätten sie 20 Minuten später entdeckt und sie wieder befestigt - aber vergebens. Eine halbe Stunde danach wurde Lehmann endgültig gestohlen.

RASENDER REPORTER: Nicht nur Argentiniens WM-Fußballer sind wieselflink. Die bayerische Polizei stoppte nach dem eher müden 0:0 der Südamerikaner gegen die Niederlande einen rasenden WM-Reporter aus Argentinien auf der Autobahn A9 bei Manching mit zeitweise 220 Stundenkilometern. Erlaubt waren nur 100 km/h. Ein Streifenwagen hatte große Mühe, bei diesem Tempo aufzuschließen und den Wagen zu stoppen, berichtete die Polizei. Der TV-Journalist gab an, er komme vom Spiel in Frankfurt und müsse bis 03.00 Uhr seinen Bericht nach Argentinien übermitteln. Nach Zahlung einer Sicherheitsleistung durfte er die Fahrt fortsetzen.

AUS NICHTS NOCH GOLD GEMACHT: Konkurrenz für die Kerners, Dellings, Poschmanns und Reifs: Der Münchner Sportstudent Frank Hanauer ist als Sieger aus einem Nachwuchs-Wettbewerbs für Fußball- Kommentatoren der Zeitschrift «Deutsche Sprachwelt» hervorgegangen. Der Chefredakteur der «Deutschen Sprachwelt», Thomas Paulwitz, erklärte nach dem Wettbewerb mit der Partie Niederlande gegen Argentinien: «Es macht wieder Spaß zuzuhören: Die Kandidaten haben trotz des müden Spiels gezeigt, dass auch im Fernsehen sprachlich einwandfreie und packende Fußballkommentare möglich sind, dass es Talente gibt, die heiß drauf sind, die üblichen Dampfplauderer zu übertrumpfen». Deren Kommentare empfänden viele Zuschauer als zu langweilig, fehlerhaft, zu selbstverliebt und fachlich mangelhaft.

FREIFAHRT: In Schanghai können Fußballfans nach der TV-Übertragung von bestimmten WM-Spielen mit dem Taxi gratis heimfahren. Wie die Zeitung «Shanghai Daily» berichtete, stehen die Gratis-Droschken während der WM vor bestimmten Gaststätten der chinesischen Metropole. Die Aktion soll zum Kampf gegen Alkohol am Steuer beitragen. Sie wird von einem Spirituosen-Großhändler finanziert.


TIERISCH: In einem Fußballspiel der besonderen Art zur WM standen sich in Thailand elf Elefanten und elf menschliche Kicker gegenüber. Die Dickhäuter wurden bei der Partie in Autthaya nördlich von Bangkok von Reitern gelenkt. Ihre menschlichen Gegenspieler zeigten sich beeindruckt von der Schussstärke der Elefanten. «Es war eine schwierige Sache», berichtete der Student Kriangsak Nachawee. «Wenn die Elefanten den Ball hatten, war es riskant, ihnen das Leder abzujagen. Ich hätte ohne weiteres im Krankenhaus landen können.» Dennoch hielt die Elf der Zweibeiner sich tapfer und erkämpfte ein 3:3. Das Spiel war Teil einer Aktion gegen illegale Sportwetten.

KATERSTIMMUNG: Für die Karibik-Kicker aus Trinidad und Tobago sind sofort mit dem Ausscheiden aus dem WM-Turnier die Geldsorgen in den Vordergrund getreten. FIFA-Vizepräsident Jack Warner, der als nationaler Verbandspräsident das Gehalt von Trainer Leo Beenhakker zwei Jahre lang privat gezahlt hatte, mag nicht mehr: «Wir haben das Ende der Fahnenstange erreicht.» Aus der Mannschaft verlautete kurz vor der Abreise aus dem Quartier in Rotenburg an der Wümme, man fürchte nun auch um die zugesagten Verbandszahlungen. «Die Stimmung war schon etwas gedrückt», berichtete Heinz G. Gehnke vom Informationsbüro der Stadt. Am Mittwochabend hatte es noch ein großes Essen im Quartier der Spieler gegeben. Anschließend wurden die Kicker bis tief in die Nacht bei privaten Feiern in der Stadt gesichtet.

AUF MARADONAS SPUREN: Lionel Messi tritt die «Hand Gottes» mit Füßen. Auf seinen schneeweißen Fußball-Schuhen ist auf einer goldenen 86 schwarz eingeschrieben: «La mano de dios». Mit jener «Hand Gottes» hatte sich die argentinische Fußball-Legende Diego Armando Maradona am 22. Juni 1986 unsterblich gemacht. Im WM- Viertelfinalspiel gegen England hatte der damals 25-Jährige das erste seiner beiden Tore zum 2:1-Endstand mit der Hand erzielt. Indes gilt Messi in Argentinien als der Auserkorene, der in Maradonas Spuren treten soll. Er hat es buchstäblich genommen.

BESSERUNG: Brasiliens Superstar Ronaldinho hat eingeräumt, dass sein Team bei der WM bislang vieles schuldig geblieben ist. «Wir müssen uns in jedem Training steigern», schrieb der Weltfußballer des Jahres 2005 in einer Kolumne für das spanische Sportblatt «El Mundo Deportivo». «Aber wir werden von Tag zu Tag besser.» Ronaldinho bat die Fans um Geduld: «Die WM hat erst begonnen.» Brasilien sei dazu «verpflichtet» zu gewinnen.

ALLES KLAR: Software-Experten aus den USA wollen schon sicher wissen, wer bis ins Halbfinale der WM kommt: Brasilien, Deutschland, Frankreich und Mexiko. Das hätten neu entwickelte «Analyse-Tools» für Fans im Internet eindeutig ergeben, teilt der Hersteller Spotfire (www.spotfire.com/WorldCup) mit. Nutzer können selbst interaktive Analysen erstellen und dabei unter anderem knifflige Fragen beantwortet bekommen wie: «Welches Land wird am meisten unterschätzt? Was zeichnet einen Weltmeister aus?» Grundlage bei der Beantwortung seien «Ergebnisse zurückliegender Wettbewerbe und Qualifikationsrunden». Noch mal zur Sicherheit: Ins Halbfinale kommen Brasilien, Deutschland, Frankreich und Mexiko.

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