Zurückhaltend ist das religiöse Auftreten der Nationalmannschaften aus den streng islamischen Ländern Iran und Saudi-Arabien. Das gemeinsame Niederknien der Saudis nach ihren Toren beim 2:2 gegen Tunesien war das einzige öffentliche Ritual. Während der WM wurden die üblicherweise fünf Gebete pro Tag für Saudi-Arabiens Team auf drei reduziert. Spontane Gebete auf Gängen oder in ruhigen Ecken des Hotels «Dolce» waren gang und gäbe. In den Zimmern im Quartier in Bad Nauheim wurden mit Klebeband an der Decke oder auf Möbeln Pfeile Richtung Mekka angebracht, damit die gläubigen Spieler nicht die geistliche Orientierung verloren. Die Nachtschrank-Bibeln wurden aus den rund 60 belegten Zimmern in die Besenkammer gebracht, alle Pay-TV-Kanäle mit zig arabischen TV- Programmen ausgetauscht. Im WM-Hotel der Iraner in Friedrichshafen wurde auf Weisung eines iranischen Regierungsvertreters ein Gebetsraum eingerichtet. Um eine Brüskierung nicht-christlicher Religionsgemeinschaften zu vermeiden, schloss das Organisationskomitee die Kapellen im Berliner Olympiastadion und in der WM-Arena Gelsenkirchen. «Dies mag man Übervorsicht nennen, doch wir wollten keine bestimmte Religion herausheben», sagte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach. Dass Fußball nicht alles im Leben ist, haben auch die größten Stars erkannt. «Ich habe niemals gebetet, um zu gewinnen oder ein Tor zu machen. An erster Stelle wollte ich frei von Verletzungen bleiben. Und dann habe ich Gott gebeten, dass das Spiel nicht 0:0 endet», meinte Legende Pelé. Ronaldinho, einer seiner fußballerischen Erben, sagte einmal: «Gott möge mich bestrafen, wenn ich mich über dieses Leben beklage.»
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