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Doppelpass mit Gott: WM-Spieler als Missionare

Berlin (dpa) - 22.06.2006, 10:38 Uhr

Spieler der saudi-arabischen Elf danken Allah für ein Tor gegen Tunesien.
Spieler der saudi-arabischen Elf danken Allah für ein Tor gegen Tunesien.

Wenn seine Spieler im Hotel Klosterpforte noch schlafen, ist Luis Felipe Scolari längst auf den Beinen. Der Trainer der portugiesischen Nationalmannschaft sucht jeden Morgen das über 800 Jahre alte Zisterzienserkloster hinter dem WM-Quartier auf.

Fernab vom WM-Rummel tankt der 58 Jahre alte Brasilianer hinter den Klostermauern neue Kraft. «Der Glaube nimmt in meinem Leben eine wichtige Rolle ein», sagte der Sohn italienischer Einwanderer, der sich das Hotel mit klösterlicher Anlage bewusst ausgesucht hat.

Ohne Gott und Glaube geht bei fast keiner WM-Mannschaft etwas. Das Bekreuzigen vor dem Betreten des Rasens oder nach jedem Tor ist ein längst bekanntes Ritual der Spieler. Gemeinsame Gebete vor der Partie oder im Training gehören bei einigen Teams zur Vorbereitung.

Besonders die brasilianischen Spieler stellen ihren Glauben zur Schau. Die Ballkünstler beten in kleinen Gruppen, verteilen untereinander Auszüge von Bibeltexten. «Siege sind wichtig, aber vergänglich. 2002 haben wir gebetet, dass die Mannschaft Weltmeister werden soll, die den Namen Gottes am meisten lobt und preist. Und es hat geholfen», erklärte Lucio, der nach dem Triumph vor vier Jahren ein T-Shirt mit der Aufschrift «Jesus loves you» überzog.

Auch in der deutschen Mannschaft bekennen sich Spieler zu Gott. Glaubensdemonstrationen wie beim Weltmeister lehnen die meisten aber ab. «Glauben ist für mich etwas Intimes - auch wenn ich damit offen umgehe», sagt der Dortmunder Christoph Metzelder. Sein Clubkollege und Jung-Nationalspieler David Odonkor hat auf seinem Arm «Ich glaube an Gott und meine Familie» tätowiert.


Zurückhaltend ist das religiöse Auftreten der Nationalmannschaften aus den streng islamischen Ländern Iran und Saudi-Arabien. Das gemeinsame Niederknien der Saudis nach ihren Toren beim 2:2 gegen Tunesien war das einzige öffentliche Ritual. Während der WM wurden die üblicherweise fünf Gebete pro Tag für Saudi-Arabiens Team auf drei reduziert. Spontane Gebete auf Gängen oder in ruhigen Ecken des Hotels «Dolce» waren gang und gäbe.

In den Zimmern im Quartier in Bad Nauheim wurden mit Klebeband an der Decke oder auf Möbeln Pfeile Richtung Mekka angebracht, damit die gläubigen Spieler nicht die geistliche Orientierung verloren. Die Nachtschrank-Bibeln wurden aus den rund 60 belegten Zimmern in die Besenkammer gebracht, alle Pay-TV-Kanäle mit zig arabischen TV- Programmen ausgetauscht. Im WM-Hotel der Iraner in Friedrichshafen wurde auf Weisung eines iranischen Regierungsvertreters ein Gebetsraum eingerichtet.

Um eine Brüskierung nicht-christlicher Religionsgemeinschaften zu vermeiden, schloss das Organisationskomitee die Kapellen im Berliner Olympiastadion und in der WM-Arena Gelsenkirchen. «Dies mag man Übervorsicht nennen, doch wir wollten keine bestimmte Religion herausheben», sagte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach.

Dass Fußball nicht alles im Leben ist, haben auch die größten Stars erkannt. «Ich habe niemals gebetet, um zu gewinnen oder ein Tor zu machen. An erster Stelle wollte ich frei von Verletzungen bleiben. Und dann habe ich Gott gebeten, dass das Spiel nicht 0:0 endet», meinte Legende Pelé. Ronaldinho, einer seiner fußballerischen Erben, sagte einmal: «Gott möge mich bestrafen, wenn ich mich über dieses Leben beklage.»

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