Tore statt Beichtstühle: Kirche wird zum Kickerfeld
Oberhausen (dpa) - 22.06.2006, 09:58 Uhr
Jugendliche spielen in der Kirche in Oberhausen vor dem Altar Fußball.
Rasen und Tore statt Beichtstühle und Kirchenbänke: Sogar in einer katholischen Kirche wird während der Fußball-WM gekickt. Mit rund 300 Quadratmeter Kunstrasen hat sich die Oberhausener Jugendkirche «Tabgha» in ein Indoor-Fußballfeld verwandelt. Auch während der Gottesdienste werde gekickt, sagte Jugendpfarrer Bernd Wolharn (39). Um jungen Leuten «Lust auf Kirche» zu machen, lässt er den Ball zur WM ins Gotteshaus rollen. Seit Öffnung der Fußball-Kirche am 10. Juni haben bereits einige hundert Jugendliche den ungewöhnlichen Bolzplatz entdeckt. Nicht nur die Gottesdienste für die 16- bis 25-Jährigen, sondern auch für die übrigen Mitglieder der Oberhausener Gemeinde «Christ König» feiert der Pfarrer auf dem «heiligen Rasen». Altar und Kreuz würden oft zur ungewollten Zielscheibe. «Das gehört eben zum Spiel und macht allen sichtbar, wir sind in einer Kirche», nimmt es Schalke-Fan Wolharn locker. Für viele Jugendliche sei es eine neue Erfahrung, in der Kirche jubeln und schreien zu dürfen.
Protest kam den Organisatoren noch nicht zu Ohren. «Viele Ältere wissen um die Sorge, junge Leute in die Kirche zu bringen», meint Wolharn. Zum Kicken ist Anmeldung Pflicht. Noch bis Freitag herrscht Fußball-Feeling im Gotteshaus, zur Urlaubszeit wird abgebaut. Die Jugendkirche «Tabgha» wurde im Jahr 2000 gegründet. Seitdem hat sie schon mit zahlreichen Aktionen Aufmerksamkeit erregt wie beispielsweise mit der Umwandlung der Kirche in einen Skater-Parcours und Hochseilgarten.
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