Kleine Pause auf vielen Fanmeilen
Berlin (dpa) - 21.06.2006, 23:15 Uhr
Die Zuschauer in München schützen sich vor dem Regen.
Am 13. Tag der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland haben viele Fans eine kleine Pause eingelegt. Auch wegen schlechten Wetters kamen deutlich weniger Menschen in den Innenstädten und Partymeilen zusammen. Die Ausnahme war Frankfurt, wo in der Main-Arena beim Spiel Argentinien gegen Niederlande (0:0) ein neuer Besucherrekord aufgestellt wurde. Auf der größten Fanmeile der Republik in Berlin, wo sich am Vortag zum deutschen Sieg über Ecuador noch 700 000 Menschen gedrängt hatten, verloren sich nur 30 000 Unentwegte während der Übertragung des Spiels Argentinien-Niederlande. Eher gedämpfte Stimmung auch in München, wo kurz vor Beginn der Partie Serbien-Montenegro gegen die Elfenbeinküste (2:3) ein kräftiger Gewitterschauer die Gemüter abkühlte. Dazu kam, dass keine der beiden Mannschaften noch Chancen auf das Achtelfinale besaß. «Kein Trommeln, keine Fans, man glaubt gar nicht, dass ein Fußballspiel stattfindet», hieß es. Bessere Stimmung in Gelsenkirchen beim 2:1 Portugals gegen Mexiko, wo vor allem die mexikanischen Fans trotz der Niederlage lateinamerikanische Begeisterung zeigten.
In Frankfurt feierten dagegen rund um die Live-Übertagung am Flussufer 80 000 Menschen, mehr als bei dem Deutschland-Spiel am Vortag. Mehr als die Hälfte der Fans waren Holländer. «Es ist so orange, wie es oranger nicht sein kann», sagte ein Sprecher. Der niederländische Kronprinz Willem-Alexander und seine aus Argentinien stammende Frau Máxima verfolgten die Partie auf der Ehrentribüne. Argentiniens Fußball-Legende Maradona und die Prinzessin begrüßten sich herzlich. Vor dem Spiel hatten protestierende Studenten ein Verkehrschaos in der Innenstadt ausgelöst und S-Bahngleise und Straßen besetzt. Es gab 18 Festnahmen. In Leipzig, wo Iran und Angola sich am Nachmittag 1:1 trennten, waren bis zu 2000 Polizisten im Einsatz. Etwa 250 Menschen protestierten gegen die Atompolitik und Israelfeindlichkeit des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Ein beim Zentralstadion gefundenes, zunächst als verdächtig eingestuftes Päckchen entpuppte sich als harmlose Ausrüstung eines Fans - es enthielt Fahnen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich erleichtert über den bisherigen Verlauf der Fußball- Weltmeisterschaft gezeigt. Hätte man aber nicht den ungeheuren präventiven Sicherheitsaufwand betrieben, «würde es vielleicht auch nicht so gut gehen», fügte Schäuble am Mittwochabend in der Haushaltsdebatte des Bundestages an. Deswegen dürfe man aus der WM nicht den Schluss ableiten, in Zukunft die Anforderungen an die innere Sicherheit weniger ernst zu nehmen.
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