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Klinsmann freut sich auf «harten» Schweden-Happen

Berlin (dpa) - 21.06.2006, 16:05 Uhr

Jürgen Klinsmann jubelt nach dem Sieg gegen Ecuador .
Jürgen Klinsmann jubelt nach dem Sieg gegen Ecuador .

Nach dem verheißungsvollen Durchmarsch ins Achtelfinale können Jürgen Klinsmann und seine Vorrunden-Helden die WM-Reifeprüfung gegen die unbequemen Schweden kaum erwarten.

Die bestaunten deutschen Fußball-Nationalspieler fühlen sich körperlich und mental bestens gerüstet für das erste K.o.-Spiel in München. Das rasante 2:2 der «Tre Kronors» gegen England nutzte man zum entspannten Fernseh-Studium. «Wir sind sehr gewachsen und können mit breiter Brust ins Spiel gegen Schweden gehen. Es wird hart - aber wir wollen es so», sagte der Bundestrainer voller Vorfreude.

Seit letzter Nacht schwirrt in den Köpfen der Trainer und Spieler nur noch Schweden herum - doch Klinsmanns Augenmerk wird in den Stunden bis zum Anpfiff nicht primär den Stars wie Zlatan Ibrahimovic oder Fredrik Ljungberg gelten. «Wir werden den Spielern nicht zu viele Informationen über Schweden geben, sondern wir werden uns auf unsere Stärken konzentrieren.»

Und stark fühlen sich Michael Ballack & Co. «Wir sind gerüstet, wir sind fit. Wir können ein hohes Tempo gehen und haben Heimvorteil. Wir sind bereit, auch einen großen Gegner zu schlagen», sagte der Kapitän. Das Vorrunden-Vorspiel hat die Zuversicht auf kommende WM- Höhepunkte genährt, auch wenn Klinsmann betonte, «dass das Turnier jetzt erst richtig losgeht». Nur «einen Moment des Feierns» gönnte er den Spielern im Kreise der Familien. Die Siege gegen Costa Rica (4:2), Polen (1:0) und Ecuador (3:0) sind abgehakt, die Spannung wird hoch gehalten. «Wir müssen uns noch steigern. Es gibt keine einfachen Spiele mehr», sagte Klinsmann, der warnte: «Schweden ist eine Mannschaft, die in Europa und der Welt mitreden kann.»

Aber auch Deutschland hat wieder ein Team, das im In- und Ausland ernst genommen wird. «Wir waren von Turnierbeginn an bei den anderen Nationen Mitfavorit, wenn auch vielleicht nur aus Höflichkeit», meinte Mittelfeldspieler Torsten Frings: «Mittlerweile glaube ich, dass jeder Respekt vor uns hat. Niemand will mehr gegen uns spielen.»


Das sah auch FIFA-Präsident Joseph Blatter als Augenzeuge der drei beeindruckenden Tore von Miroslav Klose (2) und Lukas Podolski gegen Ecuador so. «Der nächste Gegner wird Angst haben vor dieser Mannschaft. Ich weiß nicht, wie man sie aufhalten kann», sagte der Schweizer. In die von Flensburg bis Passau reichende Fan-Meile reihte sich nun sogar der anfangs so skeptische Franz Beckenbauer ein. «Nach den drei Siegen kann ich sagen: Wir müssen niemanden, wirklich niemanden fürchten! Jürgen und seine Jungs - wir vertrauen Euch!», meinte der WM-Chef und orakelte bereits. «Mit jedem Spiel spürt man, dass da etwas zusammenwächst. Hoffentlich der neue Weltmeister!»

So weit ist es noch lange nicht, aber Klinsmann hat gegen viele Widerstände die Voraussetzung für Großtaten schon bei der Heim-WM geschaffen. «Wir hatten es nicht einfach in den vergangenen zwei Jahren: Teilweise wurden unsere Nationalspieler in ihren Vereinen auf die Bank gesetzt», erinnerte Klinsmann an die schwierige Situation etwa von Christoph Metzelder bei Borussia Dortmund, Bastian Schweinsteiger in München oder Robert Huth beim FC Chelsea. Nur im Nationalteam hätten sie bedingungslose Rückendeckung erhalten. «Wir haben sie dann durchgepusht», sagte Klinsmann, mit Parolen wie: «Wir glauben an Euch! Ihr könnt es packen und international mitspielen!»

Auch beim Fitness-Aspekt genügte Klinsmann das Bundesliga-Level nicht. «Wir haben in den vergangenen zwei Jahren vier Leistungstests gemacht: Mit denen waren wir nicht zufrieden», verriet er erstmals in dieser Deutlichkeit, wie groß die Defizite gewesen sind. Mit den US-Spezialisten um Mark Verstegen habe man dieses Manko aber ausmerzen können: «Die Spieler spüren an ihren eigenen Körpern, dass sie gut drauf sind.» Auch mental hält Klinsmann die Mannschaft nach der Vorrunde für so gefestigt, um selbst im Falle eines Rückstandes gegen Schweden «sofort zurückzuschlagen».

Klinsmann glaubt an die Generation 2006. «Die Jungs sind gewachsen und reifer geworden. Das ist die wichtigste Basis, um jetzt in diese Nervenspiele zu gehen. Im K.o.-System wird es Kopfsache», sagte er mit Blick auf das vierte WM-Duell mit Schweden. 2:1 steht es nach Siegen für Deutschland. Das umfangreiche Profil, das Chefscout Urs Siegenthaler nach den drei Vorrundenspielen über den WM-Finalisten von 1958 erstellt hat, soll häppchenweise an die Achtelfinal-Elf weitergereicht werden, in die der gegen Ecuador geschonte Metzelder zurückkehren wird. Platzhalter Huth muss zurück auf die Bank.

Für Ersatzspieler wie Huth sind die WM-Tage hart, denn alle brennen auf Einsätze. Während für die Stammspieler vor dem Ausgang bis Mitternacht Entspannung und Massagen angesagt waren, wurden die Männer von der Bank am Vormittag auf dem Trainingsplatz kräftig unter Dampf gehalten. Denn auch für bisherige Zuschauer wie Hanke, Hitzlsperger oder Jansen könnte irgendwann noch die große WM- Stunde schlagen. «Eine Zwei-Klassengesellschaft gibt es nicht», betonte Klinsmann: «Jeder weiß, dass er von großer Wichtigkeit ist.»

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