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Patient «Poldi» durch Treffer wieder gesund

Berlin  (dpa) - 21.06.2006, 12:41 Uhr

Lukas Podolski freut sich über seinen Treffer zum 3:0 gegen Ecuador.
Lukas Podolski freut sich über seinen Treffer zum 3:0 gegen Ecuador.

Berlin (dpa) - Miroslav Klose war mit seinen zwei Treffern der umjubelte Held gegen Ecuador, doch das Ende der Tor-Flaute von Lukas Podolski war das fast noch wichtigere Signal für das K.o-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden.

«Dieses Tor war ganz wichtig für ihn. Für einen Stürmer ist es die beste Medizin», sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann über die Genesung des Patienten «Poldi». 359 Länderspiel-Minuten hatte der künftige Münchner auf seinen 13. Treffer warten müssen - nach einer perfekten Flanke von Bernd Schneider glückte ihm am Dienstagabend um 19.12 Uhr im Berliner Olympiastadion mit dem 3:0 gegen Ecuador endlich sein sehnsüchtig erwarteter erster WM-Treffer.

Der 21-Jährige jubelte sich den Frust von der Seele und stürmte wie ein Wilder in Richtung Klinsmann zur Ersatzbank. Mehrere Steine fielen auch von den Herzen der Mitspieler, die bis zum erlösenden Moment eine Art «Hilf-dem-Lukas»-Aktion vollzogen hatten. Auffällig oft wurde der Vollblut-Fußballer mit Steil-Vorlagen und Flanken gesucht. Er selbst zahlte es mit vielen Sprints und jeder Menge Einsatz zurück. «Wir waren uns alle darüber im Klaren, dass er das Erfolgserlebnis braucht», sagte Christoph Metzelder. «Ich hoffe, dass der Knoten bei ihm jetzt geplatzt ist und er in Zukunft mit wichtigen Toren weiterhilft.»

Shooting-Star Podolski hat anstrengende Tage hinter sich - vielleicht die härtesten der jungen Laufbahn. Für seine bislang taktisch unausgereifte WM-Leistung gab es Kritik aus Medien und Mannschaft, die Radio-Satire «Lukas' Tagebuch», gegen die er sich auch juristisch wehrt, sorgte für zusätzlichen Ärger und Ablenkung. Die Anspannung war dem «kölschen Jung» anzumerken, manchmal gefror gar das typische Lächeln der rheinischen Frohnatur. «Mir ist egal, was die Experten über mich reden», bügelte Podolski die Kritiker ab. Doch Klinsmann verriet, wie es wirklich in seinem Schützling aussah: «Er macht sich halt wahnsinnig viele Gedanken, und wenn Kritik von außen kommt, nimmt er sich die eben zu Herzen. Aber wir geben ihm Rückendeckung.»

Unterstützung gab es gerade auch vom mit vier Treffern in der WM- Torschützenliste führenden Klose. Vor dem Spiel hatte der Bremer seinem sieben Jahre jüngeren Sturmpartner mit konstruktiver Kritik Defizite vorgehalten, im Spiel verzichtete er für seinen Nebenmann sogar teilweise auf die Position in vorderster Spitze. «Wir wissen alle, was wir an Lukas haben. Er ist ein Riesen-Kicker und hat ein Riesen-Spiel gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass es bei ihm jetzt mal richtig los geht», sagte der neunmalige WM-Torschütze Klose, der in der deutschen WM-Rangliste nur noch Gerd Müller (14 Tore), Klinsmann (11) und Helmut Rahn (10) vor sich hat. In der ebenfalls von Müller angeführten Weltrangliste ist er auf Platz zwölf vorgerückt.

Zum Kreis der Top-Stürmer hat Klose längst aufgeschlossen. Um aber tatsächlich als Weltklasse-Angreifer zu gelten, muss er diesmal auch in den K.o.-Spielen treffen. Bei seiner ersten WM vor vier Jahren in Südkorea und Japan hatte er alle fünf Tore in den Gruppenspielen erzielt. «Diesmal wollen wir ihn so heiß machen, dass er auch in den entscheidenden Spielen trifft. Er ist drauf und dran, noch einen draufzusetzen», schwärmte Klinsmann. Schon gegen Schweden will Podolski seinem Sturmpartner helfen: Denn wenn der Kölner weiter trifft, können sich die gegnerischen Abwehrspieler nicht mehr nur auf Klose konzentrieren.


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