Am Ende waren es rund 700 000, die an diesem Arbeitstag zum Fußballfeiern gekommen waren - damit ist Berlin als WM-Partymeile kaum mehr zu schlagen. Schon 3,5 Millionen Menschen pilgerten seit Beginn des Mega-Events heran. Und die Begeisterung für die deutsche Mannschaft schwappt von Spiel zu Spiel höher. Während der Hymne, die viele Fans vor Begeisterung schneller mitsangen, als es aus den Boxen dröhnte, regnete es schwarz-rot-goldenes Konfetti. «Das ist unser bester Tag», sagte auch ein Bierverkäufer an seinem Stand. Vor einer Videowand parkte mit Extra-Genehmigung der Doppeldeckerbus des «Fanclubs Nationalmannschaft». «Das ist großartig, dass wir hier zusammen singen», sagte der türkischstämmige Deutsche Deniz Durmaz vom Fahrzeug. Manche Schlachtenbummler tauschten auch die Fahnen ihrer Länder. Die Fans aus Ecuador kamen längst nicht alle von dort. DieBrüder Luis (27) und Daniel (19) reisten aus New York und Brüssel an. «Alle sind absolut freundlich!» Hoch aus dem Norden kamen Steinar Landrö (31) und drei Freunde in ihren Ecuador-Trikots - die Isländer hatten sogar Stadionkarten. Dort saß auf der Ehrentribüne auch Franz Beckenbauer, der sich nach eigenen Worten gern «das Vergnügen» gönnen würde, die Fanmeile zu besuchen. Doch der enge Terminkalender als Cheforganisator lasse das nicht zu, sagte er zuvor beim Eintrag ins Gästebuch der Stadt. Gute Stimmung herrschte trotz des Massenandrangs auch bei der Polizei, die mit 5000 Beamten im Einsatz war. «Alles friedlich, alles fröhlich», sagte ein Sprecher. Die Mischung aus Hochstimmung und Hitze bekam aber einigen Fans nicht. Sanitäter hatten teils Mühe, Schwächelnde aus der Menge zu bringen. Aus allen Nähten platzte auch wieder das Heiligengeistfeld in Hamburg, wo die Polizei bei 65 000 Zuschauern «die Schotten dicht» machte. Bunte Bilder mit prächtigen Perücken in Nationalfarben, abenteuerlichen Kostümierungen und verwegenen Sonnenschutzhüten waren wie in Hamburg auch in Köln zu sehen. Dort stimmten sich Zehntausende englische und schwedische Fans bei drückender Schwüle schon tagsüber ausgelassen und sangesfroh auf ihr Abendspiel ein. Am schwersten taten sich überall die Fans mit dem Wetter. Wärme und Schwüle ließen viele Besucher, die zu wenig Wasser getrunken hatten, schlapp machen. In München bespritzte die Feuerwehr Tausende mit Löschwasser. Karneval in Kaiserslautern: 160 Künstler aus Trinidad und Tobago zogen in einer farbenprächtigen Parade und mit viel Trommelmusik durch die Innenstadt. In Hannover feierten beim Match der Verlierer in der Gruppe A zwischen Polen und Costa Rica deren Fans trotz des feststehenden Ausscheidens ihrer Teams tapfer das Fußballfest in der Innenstadt und an der Waterloosäule. In Frankfurt knackten die Fans an den Ufern und Brücken am Main die Millionengrenze, teilten die Festveranstalter am 12. WM-Tag mit. Die Stimmung war überall den ganzen Tag absolut weltmeisterlich. Eine junge Polizisten, die sich einen Moment lang mit aufgekrempelten Diensthosen ausruhte, sagte in Berlin beeindruckt: «Hier ist alles wunderbar, die Stimmung ist bestens.» Auch in Köln die selbe Einschätzung der Amtsgewalt: »Es ist alles friedlich und ohne Vorkommnisse», sagte ein Polizist über die Disziplin der Briten und Skandinavier.
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