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Notizen von der Fußball-WM

20.06.2006, 15:33 Uhr

Victoria Beckham in einer Ausgabe des Badischen Tagblatts.
Victoria Beckham in einer Ausgabe des Badischen Tagblatts.

PROMIJAGD: Um vierstellige Eurobeträge haben zwei Berufsschüler aus dem Badischen ihr Taschengeld aufgebessert, weil sie Victoria Beckham beim Einkaufen von Plastikfußbällen fotografieren konnten. Der 23-jährige Tino Sabetta und sein Azubi-Kollege Danny Hölig (18) fragten die mit zwei ihrer drei Kinder sowie Leibwächtern in einem Sinzheimer Supermarkt shoppende Gattin von Englands WM-Superstar David Beckham einfach, ob sie mit ihren Handys mal eben das tun dürften, wofür professionelle Paparazzi mit schwerer Ausrüstung rund um die Uhr Bäume erklimmen, sich in Büschen verstecken und allerlei Gesetze brechen: Ein paar Bildchen schießen. Das Ex-Spice-Girl nickte freundlich. Und wenig später waren die Schnappschüsse auch schon verkauft und Auftritte in zwei TV-Sendungen verabredet.

KAMPF DER KULTUREN: Vor dem Spiel Spanien gegen Tunesien am Montagabend sind Getränkeangebieter in der Stuttgarter Innenstadt von Bier auf Wasser umgeschwenkt. «Die Araber trinken ja keinen Alkohol, jetzt mussten wir viel mehr Wasser ankarren», sagte ein Verkäufer. Auch die Spanier ließen sich nicht so oft an seinem Stand blicken. «Die Holländer haben viel mehr getrunken.» Andere freuen sich über die Enthaltsamkeit wenigstens einiger Nationalitäten. So wurde in Teilen der Stuttgarter City der Verkauf von Flaschen zum sofortigen Verzehr verboten. Zu Begründung hieß es, viele Straßen seien nach anderen Vorrundenspielen mit Scherben übersät gewesen.

MEHR TREFFSICHERHEIT: Für mehr Treffsicherheit am Pinkelbecken hat ein Münchner Ingenieur Fußball-Aufkleber entwickelt, die unsichtbar werden, wenn sie der Urinstrahl trifft. Nach dem Spülen kommen sie wieder zum Vorschein. Die Idee zu den «Pissbällen» sei ihm lange vor der WM gekommen, erzählt Philipp Zimmer. «Aber ich habe mir gedacht, jetzt ist eine gute Gelegenheit, sie zu vermarkten.» Die Aufkleber sind mit einer Farbe behandelt, die bei Erwärmung transparent und bei kühleren Temperaturen wieder sichtbar wird. Als Zielgruppe hatte Zimmer ursprünglich vor allem Gastwirte im Visier. Überraschend haben auch Grundschulen Bedarf angemeldet.

WM-ORDEN: Politiker von SPD und FDP haben einen WM-Orden als Auszeichnung für Helfer, Polizisten, Soldaten und Sanitäter bei der Fußball-Weltmeisterschaft vorgeschlagen, berichtete die «Bild»- Zeitung am Dienstag. Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD): «Alle, die zum Erfolg der WM beitragen, müssen eine Medaille für Einsatz und Freundlichkeit bekommen.» Der FDP- Sportexperte Detlef Parr: «Denkbar wäre auch eine Anstecknadel mit Urkunde!».

BOSSE PESSIMISTISCH: Der frische und gewaltige Optimismus bei WM- Gastgeber Deutschland ist noch nicht bis in die obersten Etagen der Großkonzerne vorgedrungen. Wie das «Handelsblatt» berichtete, glauben mehr als die Hälfte aller befragten deutschen Topmanager, dass Brasilien Weltmeister wird. An die Klinsmann-Elf glaubt nur knapp ein Fünftel. Da erwiesen sich sogar die Schweizer Kollegen als optimistischer, von denen immerhin 27 Prozent den Eidgenossen den Titelgewinn zutrauen. Im nicht WM-qualifizierten Österreich war die Fraktion der am Fußball total desinteressierten Wirtschaftsbosse mit 28 Prozent ausgesprochen stark.


WM IM KNAST: 350 zusätzliche Fernseher sind im Tihar-Gefängnis in der indischen Hauptstadt Neu Delhi für die Zeit der WM installiert worden. Wie die Gefängnisleitung nach Angaben der Nachrichtenagentur INSA meinte, könnte dies bei 13 162 Insassen in einem der größten Gefängniskomplexe der Welt die Gefühle von «Depression und Einsamkeit vermindern sowie die Empfänglichkeit für Reformprogramme in der Haftanstalt verstärken». Mit Abstand am populärsten unter den Gefangenen ist Brasiliens WM-Mannschaft. Es werde während der Übertragungen aus Deutschland kräftig geklatscht und gejubelt, im Bedarfsfall auch still gebetet.

KAFFEETAFEL: Einen Tag vor dem Finale der Fußball- WM laden die Berliner am 8. Juli 1500 WM-Besucher zu einer Kaffeetafel am Boulevard Unter den Linden ein. Damit können sich die Bürger der Stadt bei den Gästen aus aller Welt «für ein unvergessliches Ereignis bedanken», kündigte der Verein Werkstatt Deutschland am Dienstag an. Auch Prominente werden zu der Tafel unter freiem Himmel erwartet. Je zwei Berliner sollen persönliche Gastgeber für sechs ausländische Gäste sein.

AUSSIES VOR: Die australische Fußball-Nationalmannschaft steht bei den Lesern der offiziellen FIFA-WM-Webseite hoch im Kurs. Mehr als 70 Prozent der Leser, die sich an einer Umfrage zum möglichen Gruppenzweiten hinter Brasilien beteiligten, tippten auf die «Socceroos». Nur 20 Prozent favorisieren Kroatien, lediglich 10 Prozent Japan. Die Zuversicht für ein Weiterkommen der Australier war in allen Sprachausgaben ähnlich hoch. Nur in der japanischen Ausgabe glauben noch 42 Prozent an ein Weiterkommen der eigenen «Blue Samurai», 40 Prozent der Japaner setzten allerdings auch dort auf Australien. Insgesamt gaben 23 052 Leser ihre Stimme ab.

AUSSIE-FIEBER: Seit die australische Fußball-Nationalmannschaft bei der WM für Furore sorgt, sind heimische Sport- und Musikstars sowie Politiker vom Fußballvirus befallen. Weltklasseschwimmer Ian Thorpe, Formel-1-Rennfahrer Mark Webber und die Sänger Brian McFadden sowie Delta Goodrem haben auf der Webseite «www.fifaworldcup.com» Kolumnen geschrieben. Premierminister John Howard meldet sich täglich in den Medien zu Wort. Und Außenminister Alexander Downer hat seinen Besuch zum entscheidenden Gruppenspiel der «Socceroos» gegen Kroatien am Donnerstag in Stuttgart angekündigt.

UNBEKANNTER VEREINSKAMERAD: Beim ersten WM-Spiel zwischen Togo und der Schweiz kam es am Montag zum Zusammentreffen zweier Vereinskameraden von Bayer Leverkusen. Der Schweizer Tranquillo Barnetta, der eine überragende Rückrunde in der Fußball-Bundesliga spielte, traf auf den 18 Jahre alten Togoer Assimiou Toure, der erstmals bei der WM in der Startformation stand. Toure stammt aus der A-Jugend von Bayer und soll in der kommenden Saison die Regionalliga- Elf verstärken. «Ich weiß, dass er in Leverkusen spielt. Ich habe ihn wahrgenommen, aber ich kenne ihn eigentlich gar nicht», sagte Barnetta.

SATELLITENHILFE: Der Weg zum Tor auf dem Fußballplatz ist in der Regel nicht schwer zu finden. Der Weg zum Stadion hingegen schon, wenn man sich wie viele ausländische oder auswärtige Besucher auf diverse Navigationssysteme verlassen will. Allianz Arena in München? Kennt die Technik nicht. FIFA WM-Stadion? Keine Reaktion. Und unter der Rubrik Sport? Nein. Sehenswürdigkeiten? Nichts. Liegt die Arena vielleicht außerhalb der Stadtgrenze? Flottmaning? Flöttmaning? Ah, Fröttmaning... Auch Fehlanzeige. Dafür gibt es altmodische Hilfe: Weiße Schilder mit einem Ball und dem Wort «Arena» sind an allen großen Kreuzungen angebracht.

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