Nun werden ihre Emotionen schon als symbolisch für die Gefühlswelle im ganzen Land angesehen. Selbst der Kapitän der Nationalmannschaft, Michael Ballack, ist überrascht: «Wenn man jetzt sieht, wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel sich mitgefreut hat, ist das doch schön», merkte er am Montag an. «Ich weiß nicht, wann sie das letzte Mal öffentlich so aus sich herausgegangen ist wie nach dem Tor gegen Polen.» Je näher diese WM rückte, umso mehr freundete sich Merkel mit dem Fußball an. Sicher, es gibt auch die Geschichten, dass sie schon zu DDR-Zeiten 1974 am Fernseher die legendäre Partie zwischen Deutschland West und Deutschland Ost verfolgt hat. Gemeinsam mit ihrem Vater oder mit Kommilitonen soll sie sogar ins Stadion gegangen sein. Aber noch zu Beginn ihrer Zeit als CDU-Vorsitzende vor sechs Jahren bereiteten ihr Fragen nach den Favoriten für verschiedene Fußball-Events gewisses Unbehagen. Es war zu spüren, dass dies nicht ihr Thema war. Früher sagte sie von sich: «Ich bin eigentlich eher ein stiller Beobachter und springe nur auf, wenn ein Tor fällt.» Aber mit der ihr eigenen Zähigkeit und Neugier arbeitete sich die Physikerin auch in den komplexe Materie Fußball ein. Sie besuchte verschiedene Pokal-Endspiele, auch einige Heimauftritte der Nationalmannschaft sah sie sich an. Im vergangenen Jahr schaute sie beim Confed-Cup vorbei. Frauen in der Männerdomäne Fußball: Merkel stand dabei immer vor Augen, dass das eine besondere Beziehung ist. Ein wenig augenzwinkernd verwies sie auf die Erfolge der deutschen Fußball- Damen. Da klang durch: «Na Männer, macht ihr uns das mal nach.» Wie ein geborener Fußball-Fan sagte sie nach dem Sieg gegen Ecuador: «Ein wunderschönes Spiel. Weiter so!» Das hätte Franz Beckenbauer auch nicht viel anders gesagt. Und vermutlich auch nicht Gerhard Schröder, obwohl der immerhin selbst Mittelstürmer war.
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