Rooney als Kreuz - England beflaggt wie noch nie
London (dpa) - 20.06.2006, 13:29 Uhr
An Londoner Autos ist die Fahne mit dem Kreuz «mega-in».
Anfangs waren es nur die weißen Lieferwagen. Dann wurden rechts und links an den Seitenfenstern die Familienkutschen beflaggt. Und inzwischen kann man sogar den einen oder anderen Rolls Royce entdecken, der das englische St.-Georgs-Kreuz gehisst hat. Mit jedem Tag der Fußball-WM verwandeln sich die Straßen in London und anderswo ein bisschen mehr in eine Landschaft aus weißen Fahnen mit rotem Kreuz. Preis-, Kubik- und soziale Klassen spielen keine Rolle mehr: England ist beflaggt wie noch nie. Und dabei steht das Team gerade mal im Achtelfinale. Vor der Partie gegen Schweden erreichte die Fahnen-Manie einen neuen Höhepunkt. Und zwar mit einem Motiv, das allen künftigen Gegnern wohl Angst einjagen soll. Dazu ließ sich Stürmerstar Wayne Rooney (21) zum menschlichen Kreuz machen - den Mund weit aufgerissen, die Arme weit auseinander, das Gesicht und den nackten Oberkörper weiß grundiert und dann mit dem roten Kreuz bemalt. Das Foto schaffte es bis auf die Titelseite der «Sun».
Die Boulevardblätter sind es auch, die das Flaggezeigen in diesem Sommer richtig populär gemacht haben. Bis vor einigen Jahren wäre es kaum einem Engländer in den Sinn gekommen, bei Europa- oder Weltmeisterschaften das St.-Georgs-Kreuz aus dem Fenster zu hängen - auch wenn es schon seit 1277 die offizielle englische Nationalflagge ist. Allenfalls die extreme politische Rechte zeigte sich damit. Beim bislang einzigen englischen WM-Gewinn 1966 hingegen wurde überall nur die britische Flagge geschwenkt, der Union Jack. In diesem Sommer ist dies nun ganz anders. Was zum einen an der Boulevardpresse liegt, die schon Wochen vor dem ersten WM-Anpfiff markig formulierte: «Die "Sun" zieht in die Schlacht, um das Recht aller englischen Männer und Frauen zu verteidigen, die Nationalfahne wehen zu lassen.» Und zum anderen an einem Autofahrer-Typus, der ansonsten auf Englands Straßen nicht so richtig beliebt ist: der «White Van Man», der einen weißen Lieferwagen fährt und wegen seines rücksichtlosen Fahrstils gefürchtet ist. |